Bohrhammer

Elektroinstallation selbst ausführen

Viele Heimwerker und Bauherren führen Elektroinstallationen oder Arbeiten an elektrischen Anlagen selbst durch, auch ohne elektrotechnische Ausbildung. Den meisten ist garnicht bewusst, welchem Risiko sie sich und ihre Mitmenschen dabei aussetzen.
Eine Lampe anschließen, eine Steckdose installieren oder austauschen, ein Kabel verlegen, ja selbst einen Herd anschließen oder einen RCD installieren trauen sich viele Heimwerker selbst zu. Viele sehen den Beruf des Elektrikers als etwas, das jeder Hobbyheimwerker kann. Ein bißchen Kabel ziehen und ein paar Drähte anschließen.

Worin besteht das Risiko?
Ein elektrotechnischer Laie weiß in der Regel nicht, auf was er achten muss. Drei Drähte an einer Steckdose oder Lampe anzuschließen schafft jeder. Aber ist ein Laie in der Lage mit einem Messgerät umzugehen? Erkennt ein Laie eine klassische Nullung? Merkt ein Laie Fehler in der Installation? In den meisten Fällen nicht.

Beispiel Steckdose installieren
Stellen Sie sich vor sie wollen eine Steckdose im Garten nachrüsten. Was tut ein Laie? Er geht in den Baumarkt, kauft sich einen Ring NYM-J 3×1,5mm², legt das Kabel z.B: vom Sicherungskasten aus und schließt alles an. Das mag auch soweit funktionieren und viele Fachleute machen das nicht anders.

Aber worauf muss man in diesem Fall achten?

  • Auswahl des Leitungsquerschnittes anhand der Verlegeart, Leitungshäufung, Länge der Leitung und anderen Faktoren
  • Spannungsfall je nach Länge der Leitung
  • Auswahl der richtigen Überstromschutzeinrichtung (Sicherung oder LS-Schalter, Nennstrom, Auslösecharakteristik usw.)
  • Auswahl und Installation eines Fehlerstromschutzschalters
  • Auswahl des richtigen Leitungstyps (Im Außenbereich z.B. NYY)
  • Einhalten der Installationszonen
  • Einhalten von Biegeradien
  • Abschließende Messung von Schleifenimpedanz, Niederohmigkeit des Schutzleiters, Isolationswiderstand sowie Auslösestrom- und Zeit des RCDs

Was kann passieren?
Viele Anlagen funktionieren auch, obwohl sie ein Laie installiert hat und obwohl keiner der oben genannten Punkte Beachtung gefunden hat. Aber was können die Folgen sein?

  • Brand durch falsch gewählten Leitungsquerschnitt (1,5mm² für Steckdosen ist in vielen Fällen nicht ausreichend)
  • Nicht Auslösen von Sicherungen durch nicht Beachtung des Kurzschlussstromes oder der Schleifenimpedanz
  • Nicht Auslösen des RCDs (FIs), was zum Tod durch Stromschlag führen kann im Fehlerfall
  • Brand durch falsch gewählte Betriebsmittel (Schalter oder Steckdosen mit z.B. 10A statt 16A Nennstrom)
  • Leitungsbrand durch nicht beachtete Häufung, Verlegeart oder falschem Biegeradius

Sie sehen also, es gibt viel worauf man achten muss, und das hier sind nur die Hauptpunkte. Es gibt noch viele Kleinigkeiten, die weniger dramatisch aber dennnoch vorgeschrieben sind. Und im Zweifelsfall kommt es auf jedes Detail an. Kommt es zum Brand oder Personenschaden wird der Staatsanwaltschaft ihnen jedes kleine fehlerhafte Detail zum Vorwurf machen. Das hat nicht nur Strafen bishin zu Gefängnis als Folge sondern auch den Verlust von Versicherungsschutz.

Alles übertrieben?
NEIN! Ganz klare Antwort. Ich habe schon viele von Laien installiere Anlagen gesehen. Zum Teil ohne Folgen, zum Teil war es aber nur noch eine Frage der Zeit bis etwas passiert. Erst kürzlich fand ich eine Leitung, bei der der Biegeradius nicht eingehalten wurde. Sie wurde eng in eine Ecke geknickt und war komplett schwarz gebrannt, in einer Holzwand im Altbau. Diese Leitung war kurz vor einem Brand. Und nur, weil man sie zu eng gebogen hat.

In einem anderen Fall wurde in einem Sicherungskasten rumgeschraubt. Die Schrauben waren alle so locker, dass es zu Kontaktproblemen und damit zum Brand kam.

Fazit
Als Fazit lässt sich also definitiv sagen: Ein Laie hat nichts an einer Elektroinstallation verloren. Wenn es nur um das Anschließen einer Leuchte geht und man weiß was man dort tut kann man dies ruhig selbst machen. Aber alles was darüber hinaus geht ist definitiv nichts für den Laien. Und selbst eine Lampe bietet viele Möglichkeiten zum Fehler machen, man sollte sich also sehr gut überlegen ob einem der gesparte Elektriker das Risiko wert ist.