Golf vs. PV

Golfplätze beanspruchen mehr Fläche als Photovoltaik-Freiflächenanlagen

Fläche ist in Deutschland ein knappes Gut – und der Verteilungskampf um Flächen wird schärfer: Wohnen, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Verkehr, Freizeit, Energieerzeuung, Industrie. Jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben. Und bei jeder Nutzung von Fläche kommt die Frage auf: Was ist wichtiger? Forstwirtschaft oder Naturschutz? Wohnungsbau oder Landwirtschaft? Industrieflächen oder Freizeitfläche? Energieerzeugung oder Ackerland? Insbesondere wenn es um den Bau von Windrädern und Photovoltaikanlagen geht, wird der Flächenbedarf als Gegenargument angeführt. Umso spannender ist ein Vergleich der zeigt, wo wir Landfläche tatsächlich einsetzen.

Ein Vergleich wirkt dabei auf den ersten Blick absurd: Der Flächenbedarf von Golfplätzen im Vergleich zu Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Doch mit genau dieser Frage hat sich nun eine Studie beschäftigt, die zu einem Überraschenden Ergebnis kam.

Mehr Fläche für Golf als für Photovoltaik

In Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz rund 700 Golfanlagen mit einer Gesamtfläche von rund 48.000 Hektar – das sind 480 km². Im Vergleich dazu belegen Photovoltaik-Freiflächenanlagen etwa 45.000 Hektar (450 km²) Fläche.

Damit liegen Golfplätze im Flächenverbrauch leicht über den von Solarparks. Ein Forschungsteam um Dr. Jann Weinand vom Forschungszentrum Jülich hat in seiner Studie gezeigt: Golfanlagen nehmen in vielen Ländern der Erde mehr Platz ein, als Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien.

Wichtig: Der Vergleich bezieht sich auf Photovoltaikanlagen auf Freiflächen, nicht auf Photovoltaik insgesamt. Ein großer Teil der PV-Anlagen in Deutschland steht auf Dächern und belegt damit keine zusätzlichen Flächen.

Warum dieser Vergleich relevant ist: Flächen sind begrenzt

Wenn es um das Thema Photovoltaik- oder Windenergieanlagen geht, wird von Gegnern der erneuerbaren Energien regelmäßig der Flächenbedarf als Gegenargument angeführt. In diesem Fall lohnt sich ein Blick auf andere Nutzungen von Fläche und der Frage, welche Form der Landnutzung dient der Allgemeinheit am sinnvollsten.

Verkehr ist extrem Flächenintensiv

Deutschland hat einen enormen Anteil an Siedlungs- und Verkehrsfläche. Diese macht etwa 14,6% der Gesamtfläche Deutschlands aus (Stand 2024, Statistisches Bundesamt). Alleine auf Verkehrsfläche (Straßen, Autobahnen, Landstraßen) entfallen in Deutschland etwa 1,8 Millionen Hektar.

Golfplätze (48.000 ha) oder PV-Anlagen (45.000 ha) sind im Vergleich dazu klein – aber der Punkt ist ein anderer: Wer bekommt Fläche – und wofür? Beim Verkehr oder der Erzeugung elektrischer Energie ist der Nutzen breiter Verteilt. Ein größerer Teil der Gesellschaft profitiert von der Produktion von Strom oder der Nutzung von Verkehrsflächen. Beim Golf ist die Nutzergruppe deutlich kleiner.

Solarparks liefern pro Fläche einen großen Nutzen

Photovoltaikanlagen haben einen sehr guten Ertrag pro Fläche. Als Faustregel kann man bei Freiflächenanlagen etwa 1 MW pro 1 Hektar ansetzen. Pro Hektar Fläche sind im Schnitt 700.000 kWh produzierter Strom pro Jahr als Richtwert anzunehmen. Damit ließen sich rund 18 Millionen Menschen mit elektrischer Energie versorgen.

Wie viele Menschen profitieren von Golfplätzen?

Der Deutsche Golf Verband meldet zum Stichtag 30. September 2025 695.617 registrierte Golfspielerinnen und Golfspieler in DGV-angehörigen Anlagen. Von der Fläche, die durch Golfanlagen genutzt wird profitieren also rund 700.000 Menschen. Bei rund 84 Mio. Einwohnern entspricht das grob ≈ 0,8 % der Bevölkerung in Deutschland (überschlägig).

Der Kernkonflikt: Flächenverteilung nach gesellschaftlichem Nutzen

Da die zur Verfügung stehende Fläche in einem Land begrenzt ist, kommt man um Prioritäten nicht herum, wenn man Flächen fair verteilen will. Wem sollen Flächen zur Verfügung stehen? Wovon profitiert die Gesellschaft und wovon nur einige wenige? Welche Flächennutzung sollte priorisiert sein und welche eher hinten anstehen?

  • Stromerzeugung: Benötigt Fläche, liefert aber elektrische Energie, die von 100% der Menschen benötigt wird. Sie dient der Versorgungssicherheit.

  • Verkehr/Auto: beansprucht riesige Flächen (Straßen, Parken, Infrastruktur) – oft dauerhaft versiegelt. Auch Verkehr ist für den größten Teil der Gesellschaft wichtig, auch hier stellt sich die Frage wie viel ist nötig und wie viel ist Luxus.

  • Freizeit/Erholung: wichtig, aber sehr unterschiedlich nutzerintensiv (ein Stadtpark vs. Golfanlage).

  • Naturschutz/Biodiversität: braucht Raum – und konkurriert mit fast allem.

Golf vs. Photovoltaik: Keine Neiddiskussion sondern ein Realitätscheck

Der Vergleich des Flächenverbrauchs von Golfplätzen und Photovoltaikanlagen soll dabei keine Neiddiskussion sein. Viel mehr geht es um eine faktenbasierte Diskussion darüber, wofür Flächen in Deutschland eingesetzt werden sollten. Dass Golfplätze (~48.000 ha) in Deutschland in etwa so viel (oder mehr) Fläche beanspruchen wie Solarparks (~45.000 ha Ende 2024), ist vor allem eines: ein Spiegel. Er zeigt, wie selektiv Flächendebatten geführt werden – und wie wichtig eine ehrliche Frage ist:

Welche Flächen sollen künftig welchen Bedarf decken – und nach welchen Kriterien (Klimanutzen, soziale Teilhabe, Biodiversität, Versorgungssicherheit)?

Eine Diskussion über erneuerbare Energien wie Photovoltaik-Freiflächenanlagen ist wichtig. Wer jedoch in dieser Diskussion den Flächenverbrauch als Kontra-Argument ins Gespräch bringt, der sollte sich auch das Gegenargument der Golfplätze gefallen lassen.

Es geht dabei nicht darum, dass man Golfplätze zu Photovoltaik-Freiflächen umfunktionieren muss. Dieses Beispiel soll nur aufzeigen, auf welcher Grundlage wir zum Teil Diskussionen über den Flächenverbrauch führen, ohne dabei die Relation zu anderen Bereichen zu betrachten.

Windkraftanlagen: Weniger Fläche als häufig angenommen

Passend zu diesem Thema ist auch die Diskussion zum Flächenverbrauch für Windkraftanlagen. Häufig liest man in den Medien, dass 2% der Landfläche für Windenergieanlagen ausgewiesen sind und damit versiegelt werden sollen. Doch hier werden häufig falsche Annahmen getroffen.

Die zwei Prozent der Landfläche sind reine Planungsfläche. Auf diesen zwei Prozent der Fläche dürfen Windräder gebaut werden. Dies schließt jedoch auch Abstände zu Wohngebieten, Flächen für Baustelleneinrichtung und Zufahrtswege mit ein. Man kalkuliert dabei mit 0,25 bis 0,5ha pro Windkraftanlage, inkl. Zufahrtswege und Baustelleneinrichtung. Das entspricht jedoch nicht der später versiegelten Fläche.

Versiegelte Fläche bei Windkraft extrem gering

Pro aufgestelltem Windrad beträgt die versiegelte Fläche im Schnitt 0,5ha bzw. 500m². Die Flächen um Windkraftanlagen herum bleibt nach der Aufstellung weiterhin für Landwirtschaft, Freizeitaktivitäten oder Waldflächen verfügbar. Rechnet man diese Fläche auf die 28.700 Onshore-Windenergieanlagen hoch ergibt sich:

28.700 Anlagen x 0,05 ha

= 1.435 ha versiegelte Fläche

Alle aktuell gebauten Windkraftanlagen in Deutschland versiegeln also eine Fläche von 1.435ha. Das ist ein Bruchteil der Fläche, die Golfplätze oder Verkehrsflächen einnehmen.

Photovoltaik und ein sinnvoller Umgang mit Fläche

Auch wenn Photovoltaikanlagen im Verhältnis zu anderen Anwendungen sehr wenig Fläche beanspruchen, lohnt sich ein Blick auf die Alternativen. Bevor neue Fläche für Photovoltaikanlagen genutzt wird, bietet es sich an bereits versiegelte Flächen zu nutzen. Damit könnte Fläche doppelt genutzt werden, was bei einem knappen Gut wie Landfläche sehr vorteilhaft ist. Flächen die sich für PV-Anlagen eignen:

  • Dächer von Lagerhallen, Fabriken, Parkhäusern, Industriegebieten
  • Parkplätze, die man mit PV-Anlagen überdachen könnte. Dies erhöht jedoch häufig die Kosten aufgrund der Unterkonstruktion deutlich.
  • Fahrradwege und Straßen können in vielen Bereichen ebenfalls mit PV-Anlagen überdacht werden. Dies wird bisher kaum gemacht, wäre aber eine sehr sinnvolle Nutzung von bereits versiegelter Fläche

Fazit: Flächenverbrauch sollte immer im Verhältnis betrachtet werden

Das Argument, Photovoltaik-Freiflächenanlagen würden so viel Fläche versiegeln und anderen Nutzungsmöglichkeiten entziehen sollte niemals einseitig geführt werden. Wer mit dem Flächenverbrauch argumentiert, der sollte auch den Flächenverbrauch anderer Anwendungen ins Verhältnis setzen. Dieser Vergleich soll keine Kritik an Golfplätzen sein. Es soll nur an einem greifbaren Beispiel vor Augen führen, wie einseitig Diskussionen geführt werden. Auch wenn es in Einzelfällen nach viel Fläche aussieht, ist der Flächenverbrauch von Freiflächen-Photovoltaikanlagen doch relativ gering. Dafür profitieren viele Menschen durch sauberen und günstigen Strom durch PV-Anlagen.

Quellen und weitere Informationen

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