Ein großflächiger Stromausfall hat am Sonntag, dem 18. Oktober 2026, weite Teile des westlichen Schleswig-Holsteins getroffen. Bis zu 40.000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Auslöser war nach Angaben des Netzbetreibers Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) eine Störung im 110-kV-Hochspannungsnetz. Dabei kam es zu Überspannungen, Abschaltungen mehrerer Umspannwerke und erheblichen Schäden an elektrischen Anlagen. Inzwischen gibt es erste Hinweise auf eine mögliche Ursache.
Der Vorfall zeigt, dass Störungen im Hochspannungsnetz unter ungünstigen Bedingungen weitreichende Auswirkungen bis in die elektrischen Anlagen von Privathaushalten haben können. Neben dem eigentlichen Stromausfall sorgten insbesondere beschädigte Elektrogeräte, verschmorte Installationen und mehrere Brände für erhebliche Schäden.
Was ist beim Stromausfall in Schleswig-Holstein passiert?
Am Sonntagmorgen, dem 18. Oktober 2026, kam es um 9:31 Uhr zu einer großflächigen Störung im Stromnetz von SH Netz. Betroffen waren Teile der folgenden fünf Landkreise:
- Dithmarschen
- Nordfriesland
- Schleswig-Flensburg
- Steinburg
- Rendsburg-Eckernförde
Nach Angaben des Netzbetreibers waren in der Spitze bis zu 40.000 angeschlossene Haushalte von der Unterbrechung der Stromversorgung betroffen. Als Ausgangspunkt der Störung wird ein Kurzschluss im 110.000-Volt-Hochspannungsnetz vermutet. Infolge des Fehlers soll es zu einer Überspannung und zur Abschaltung mehrerer Umspannwerke gekommen sein.
Die Netzleitstelle begann unmittelbar mit Maßnahmen zur Wiederversorgung. Durch Umschaltungen im Stromnetz konnte bis 11:48 Uhr ein Großteil der betroffenen Haushalte wieder mit elektrischer Energie versorgt werden. Allerdings war die Störung damit noch nicht vollständig behoben. Im weiteren Tagesverlauf kam es zu zusätzlichen Problemen und einem erneuten Stromausfall in Teilen der Region.
Erst gegen 17 Uhr konnte die Stromversorgung nach Angaben von SH Netz in großen Bereichen wiederhergestellt werden. Einzelne Störungen wurden anschließend weiterhin durch die regionalen Bereitschaftsdienste bearbeitet.
Mögliche Ursache: Beschädigtes Leiterseil im Raum Itzehoe entdeckt
Bereits am Montag, dem 19. Oktober 2026, veröffentlichte SH Netz neue Erkenntnisse zur möglichen Ursache der Störung. Bei der Untersuchung der betroffenen Hochspannungsleitungen entdeckten Mitarbeiter ein beschädigtes Leiterseil an einem Strommast im Raum Itzehoe. Nach Einschätzung des Netzbetreibers könnte diese Beschädigung den Kurzschluss im Hochspannungsnetz ausgelöst haben.
Bisher ist dies jedoch nur eine Vermutung. Genaue Angaben zur Ursache wurden vom Netzbetreiber noch nicht genannt. Man möchte den Vorfall erst gründlich untersuchen, bevor man Details zur Ursache bekannt gibt.
Zwar könnte das beschädigte Leiterseil den ursprünglichen Kurzschluss erklären. Warum die Störung jedoch derart weitreichende Auswirkungen auf das Stromnetz und angeschlossene Kundenanlagen hatte, ist Gegenstand weiterer Untersuchungen.
SH Netz hat hierfür eine eigene Task Force eingerichtet. Diese untersuchen unter anderem rund 10.000 automatisch erzeugte Meldungen aus den Netzüberwachungssystemen. Ziel ist es, den genauen Fehlerablauf nachzuvollziehen und festzustellen, weshalb die vorhandenen Schutzsysteme die Folgen der Störung nicht begrenzen konnten.
Brände in den Umspannwerken Friedrichstadt und Linden
Im Zusammenhang mit den Stromausfällen kam es in zwei Umspannwerken in der Region zu Bränden. Auch hier sind die genauen Hintergründe noch offen.
Brand an einem Überspannungsableiter im Umspannwerk Friedrichstadt
Im Umspannwerk Friedrichstadt kam zu einem Feuer an einem Überspannungsableiter. Dies könnte tatsächlich mit einem Kurzschluss in einer 110kV-Leitung wie dem abgerissenen Leiterseil zusammenhängen, was die Theorie eines Kurzschlusses bestätigen würde.
Überspannungsableiter sind wichtige Schutzeinrichtungen in elektrischen Energieversorgungsnetzen. Sie sollen gefährliche Überspannungen begrenzen und dadurch andere Betriebsmittel wie Transformatoren, Schaltanlagen und Isolatoren schützen. Bei Überspannungen werden die Ableiter leitfähig und führen Stoßströme beziehungsweise Energie gegen Erde ab. Dabei werden sie teilweise erheblichen elektrischen und thermischen Belastungen ausgesetzt.
Unter außergewöhnlichen Bedingungen kann ein Überspannungsableiter beschädigt oder thermisch überlastet werden. Welche konkrete Beanspruchung im Umspannwerk Friedrichstadt zum Brand führte, wurde bislang nicht abschließend kommuniziert.
Weiterer Brand im Umspannwerk Linden
Am Nachmittag des 18. Oktober meldete SH Netz einen weiteren Zwischenfall. Im Umspannwerk Linden im Kreis Dithmarschen kam es infolge des Stromausfalls zu einem weiteren Ausfall, bei dem nach ersten Informationen eine Schalttafel in Brand geriet.
Ob der Brand durch eine unmittelbare Überspannung, einen bereits vorgeschädigten Anlagenteil oder einen anderen elektrischen Fehler verursacht wurde, lässt sich aus den bisher veröffentlichten Informationen noch nicht sicher ableiten.
Wie konnte es zu so massiven Schäden in Haushalten kommen?
Besonders ungewöhnlich am Stromausfall in Schleswig-Holstein sind die zahlreichen Berichte über beschädigte elektrische Anlagen bei Endverbrauchern. Normalerweise führt eine Störung im Hochspannungsnetz nicht zwangsläufig dazu, dass es zu Schäden an angeschlossenen Kundenanlagen kommt.
Zwischen dem 110-kV-Netz und den Endverbrauchern befinden sich weitere Netzebenen, Transformatoren und Schutzeinrichtungen, die solche Wirkungen eigentlich verhindern sollen.
In diesem Fall kam es jedoch zu massiven Auswirkungen bis in Haushalte hinein, die teilweise zu erheblichen Schäden und Bränden an Gebäuden führten. Mittlerweile soll es weit über 1.000 Meldungen von Betroffenen Kunden über Schäden an elektrischen Anlagen geben.
Welche Schäden wurden gemeldet?
Nach Berichten des NDR wurden in den betroffenen Regionen unter anderem Schäden an folgenden Einrichtungen bekannt:
- Heizungsanlagen
- Waschmaschinen und Geschirrspülern
- Routern und Netzteilen
- elektrischen Verteilungen und Schaltschränken
- weiteren angeschlossenen Elektrogeräten
- Gebäudebrände u.a. durch Dacheinspeisungen
Zahlreiche Zähleranlagen wurden vollständig zerstört, insbesondere ältere Anlagen ohne Überspannungsableiter waren betroffen. Das tatsächliche Schadensausmaß ist bislang nicht abschließend bekannt.
SH Netz empfiehlt Kontrolle der elektrischen Anlagen
Bereits am 18. Oktober veröffentlichte SH Netz eine ausdrückliche Warnung für betroffene Haushalte. Der Netzbetreiber empfiehlt, Zählerschränke, elektrische Anlagen und angeschlossene Geräte durch Elektrofachkräfte auf mögliche Schäden überprüfen zu lassen.
Insbesondere bei Brandspuren, ungewöhnlichem Geruch, Rauchentwicklung oder sichtbar beschädigten elektrischen Komponenten besteht Handlungsbedarf.
Dabei sollten folgende Grundsätze beachtet werden:
- Beschädigte elektrische Geräte nicht weiter benutzen.
- Verschmorte Steckdosen, Verteilungen und andere elektrische Betriebsmittel nicht berühren oder eigenständig öffnen.
- Bei Rauchentwicklung oder Brandverdacht die Feuerwehr über 112 verständigen.
- Elektrische Anlagen bei Verdacht auf Schäden durch eine Elektrofachkraft prüfen lassen.
- Festgestellte Schäden dokumentieren und dem zuständigen Versicherer beziehungsweise Netzbetreiber melden.
Je nach Schadensbild können beispielsweise Isolationsmessungen, die Prüfung von Schutzmaßnahmen und die Untersuchung betroffener Betriebsmittel erforderlich sein.
Welche Prüfungen sinnvoll sind, muss die Elektrofachkraft anhand der konkreten Anlage und des vermuteten Schadenausmaßes beurteilen.
Wer haftet für Schäden durch den Stromausfall?
Neben der technischen Ursache stellt sich für zahlreiche Betroffene die Frage nach der Regulierung der entstandenen Schäden. Grundsätzlich kommen je nach Sachverhalt Ansprüche gegenüber dem Netzbetreiber und Leistungen aus bestehenden Versicherungen in Betracht.
Ob und in welchem Umfang der Netzbetreiber haftet, hängt von der Klärung der genauen Schadensursache ab. Ist eine Verantwortung beim Netzbetreiber festzustellen, kann dieser für Schäden haftbar sein.
Auch eine Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung kann bei Schäden durch Überspannung zuständig sein. Entscheidend ist dabei, welche Schäden und Risiken im jeweiligen Versicherungsvertrag abgedeckt sind.
Betroffene sollten deshalb beschädigte Geräte, Rechnungen, Fotos, Prüfberichte und sonstige Nachweise zusammentragen. Die abschließende Klärung der technischen Ursache kann auch für die spätere Bewertung möglicher Schadenersatzansprüche von Bedeutung sein. Vorsorglich sollten alle Schäden gründlich dokumentiert werden, bevor diese behoben werden. Außerdem ist eine Meldung an den Netzbetreiber zu empfehlen.
Aktueller Stand zum Stromausfall
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| 18.10., 9:31 Uhr | Kurzschluss im 110-kV-Netz; großflächiger Stromausfall |
| 18.10., vormittags | Bis zu 40.000 Haushalte betroffen; mehrere Umspannwerke abgeschaltet |
| 18.10., 11:48 Uhr | Großteil der Haushalte nach Netzumschaltungen wieder versorgt |
| 18.10., mittags | Brand an einem Überspannungsableiter in Friedrichstadt bekannt |
| 18.10., nachmittags | Weiterer Ausfall und Brand im Umspannwerk Linden |
| 18.10., ab 17 Uhr | Stromversorgung großteils wiederhergestellt |
| 19.10. | Beschädigtes Leiterseil im Raum Itzehoe als mögliche Ursache identifiziert |
| 19.10. | Task Force untersucht rund 10.000 Netzmeldungen |
Fazit: Ein außergewöhnlicher Störfall mit vielen offenen Fragen
Der Stromausfall vom 18. Oktober 2026 in Schleswig-Holstein hat ein ungewöhnliches Ausmaß an Schäden verursacht. Ein Störfall im 110-kV-Hochspannungsnetz führte zu großflächigen Abschaltungen, mehreren Bränden und erheblichen Schäden an elektrischen Anlagen.
Mit dem beschädigten Leiterseil im Raum Itzehoe wurde inzwischen eine mögliche Ursache für den ursprünglichen Kurzschluss identifiziert.
Die entscheidenden Fragen sind jedoch weiterhin offen: Wie genau kam es zu dieser massiven Störung? Und wie konnte eine Störung im 110kV-Netz zu derart gravierenden Schäden in nachgelagerten Netzebenen und angeschlossenen Kundenanlagen führen?
Für Elektrofachkräfte zeigt das Ereignis, wie wichtig eine fachgerechte Planung und Prüfung elektrischer Anlagen sowie ein auf die jeweiligen Risiken abgestimmtes Überspannungsschutzkonzept sind.