Gibt es eine Vorschrift oder Empfehlung zur Stellung von Reserve-Leitungsschutzschaltern? Diese Frage ist mir nun schon häufiger in Diskussionen unter Kollegen, Sachverständigen und Kunden untergekommen. Auf dieser Seite erfährst du, was die Vorschriften dazu sagen und was ich aus meiner Berufspraxis für sinnvoll halte.
Was sind Reserve-Leitungsschutzschalter?
Bei der Planung und dem Bau von Schaltschränken und Unterverteilungen gibt man sich meist sehr viel Mühe alles platzsparend und sauber verdrahtet unterzubekommen. Ist ein Verteiler einmal fertig, sieht dieser im Idealfall sauber und übersichtlich aus. Doch in der Praxis kommt es immer wieder vor, dass man den ein oder anderen Stromkreis nachinstallieren möchte. Sei es weil ein weiterer Steckdosenstromkreis benötigt wird oder eine Klimaanlage nachgerüstet werden soll.
Häufig bedeutet dies, dass man die Verteilung umbauen muss. Ausbau der Phasenschienen, Einbau von neuen LS-Schaltern, eine neue passende Schiene einbauen und neu verdrahten. Häufig gibt es auch die verbauten LS-Schalter und Einbaugeräte nicht mehr zu kaufen.
Deshalb bietet es sich an von vornerein die Möglichkeit der Erweiterung einzuplanen. Zu diesem Zweck können ein paar LS-Schalter zusätzlich vorgesehen werden, die nur eingebaut werden, an denen aber nichts angeschlossen wird.
Warum Reserve-Leitungsschutzschalter einplanen?
Nachrüstung ohne großen Aufwand
Wenn später ein neuer Stromkreis benötigt wird, lässt sich dieser einfach an den bereits vorhandenen Reserve-LS-Schalter und im Idealfall damit verbundenen Reihenklemmen anschließen – ganz ohne weitere Reihenklemmen, Leitungsschutzschalter oder Neutralleiterklemmen einbauen zu müssen oder große Verdrahtungsarbeiten auszuführen. Mit kleinem Aufwand bei der Neuinstallation erspart man sich damit einen großen Aufwand an Zeit, Material und Kosten bei späterer Erweiterung.
In welcher Stellung sollten Reserve-Leitungsschutzschalter stehen?
Solange Reserve-Leitungsschutzschalter nicht gebraucht werden stellt sich die Frage: In welcher Stellung sollten Reserve-Leitungsschutzschalter stehen. Lässt man sie eingeschaltet oder lieber ausgeschaltet?
Ich persönlich bevorzuge es, wenn Reserve-Leitungsschutzschalter immer eingeschaltet sind. Es geht keine Gefahr von ihnen aus, da nichts angeschlossen ist. Der Vorteil ist, dass man immer sofort sieht wenn ein LS-Schalter ausgelöst hat. Häufig kommt man wegen einer Störung an eine Verteilung und sucht den betroffenen Stromkreis. Meist sieht man direkt welcher LS-Schalter ausgelöst hat. Wären jetzt noch alle Reserve-Automaten ausgeschaltet, erschwert das die Fehlersuche.
Gibt es eine Vorschrift dazu?
Ein klares Nein! Es gibt keine Vorschrift oder Norm, die etwas zur Stellung von Reserve-Leitungsschutzschaltern vorschreibt oder empfiehlt. Hier geht es rein um persönliche Vorlieben und die eigene Arbeitsweise im Betrieb. Weder in den Normen der DIN VDE 0100 noch der DIN 18015 finden sich hierzu Aussagen. Lediglich die DIN 18015-1 empfiehlt eine Platzreserve in Stromkreisverteilern von 20%. Hier ist jedoch die Rede von Platzreserve und nicht von vorhandenen Reserve-Betriebsmitteln wie Leitungsschutzschaltern.
Wie viele Reserve-Leitungsschutzschalter plane ich ein?
Eine Frage die sich häufig stellt ist: Wie viele Reserve-Leitungsschutzschalter sollte ich eigentlich einplanen? Hierzu kann man keine generellen Empfehlungen aussprechen. Grundsätzlich sollte man in Stromkreisverteilungen eine Platzreserve von 20-30% einplanen (DIN 18015-1). Die Anzahl der vorgesehenen Reserve-Leitungsschutzschalter richtet sich nach einer persönlichen Abwägung. Was könnte eventuell in Zukunft noch kommen?
Die Anforderungen sind dabei je nach Gebäudeart unterschiedlich. In einem Industriebetrieb oder Krankenhaus wird man eine andere Reserve einplanen als in einer Zweizimmerwohnung. In einem Zählerschrank im Keller eher als in einem Stromkreisverteiler im Wohnraum.
Ich persönlich baue häufig pro Stromkreisverteiler zwei bis drei zusätzliche LS-Schalter ein. Häufig bietet es sich an die Phasenschienen einfach voll zu machen. Hat man beispielsweise die Anzahl LS-Schalter pro Fehlerstromschutzschalter (RCD) nach DIN 18015 umgesetzt mit maximal sechs LS-schaltern an einem 4-Poligen RCD, hat man auf der Phasenschiene noch zwei Plätze frei. Diese lassen sich mit Reserve-Leitungsschutzschaltern gut nutzen.
- Auslösecharakteristik=B
- Polzahl (gesamt)=1
Auch Neutralleiter-und Schutzleiter-Anschlüsse einplanen
Wer darüber nachdenkt Leitungsschutzschalter in Reserve in seinem Stromkreisverteiler einzuplanen, der sollte auch die zugehörigen Neutralleiter und Schutzleiter einplanen. Es bringt nichts, wenn man später einen verdrahteten Leitungsschutzschalter hat, aber keine Neutralleiter- oder Schutzleiterklemmen mehr zur Verfügung hat. Daher sollte man direkt bei der Planung darauf achten, dass die N- und PE-Schienen genug Platzreserve bieten oder man auf Reihenklemmen setzt, die ebenfalls schon vorgesehen und verdrahtet sind.
Häufige Fragen (FAQs)
❓ Müssen Reserve-Leitungsschutzschalter ausgeschaltet sein, wenn sie nicht angeschlossen sind?
Nein! Reserve-Leitungsschutzschalter müssen nicht ausgeschaltet sein. Ich würde sie sogar jederzeit eingeschaltet lassen um im Fehlerfall ausgelöste Leitungsschutzschalter sofort zu erkennen.
❓ Wie viel Reserve-Leitungsschutzschalter sind nach Norm vorgeschrieben?
Keine. Es gibt keine Norm, die Reserve-Leitungsschutzschalter vorschreibt. In der Planungsnorm DIN 18015-1 wird lediglich empfohlen in einem Stromkreisverteiler mindestens 20% Platzreserve vorzusehen. Dort ist aber nur von Platzreserve und nicht von Reserve-Bauteilen die Rede.
❓ Wie viele Leitungsschutzschalter sollte man in Reserve einplanen?
Wie viele LS-Schalter man für die Reserve vorsehen sollte kann man pauschal nicht sagen. Es gibt kleine Anlagen wie in Wohnungen, dort kann man auch komplett auf Reserve-Leitungsschutzschalter verzichten. Hier reicht es, wenn ein bisschen Platzreserve im Stromkreisverteiler eingeplant wird. In öffentlichen Gebäuden, Büros oder Krankenhäusern sollte dagegen mit Reserve-Leitungsschutzschaltern geplant werden.
❓ Welche Hersteller für Leitungsschutzschalter soll ich verbauen?
Welchen Hersteller man bei der Planung und Ausführung seiner elektrischen Anlagen verwendet, ist Geschmackssache. Meine Favoriten, mit denen ich gute Erfahrungen gesammelt habe sind folgende
- Hager
- ABB
- Schneider Electric
- Eaton (Ehemals Moeller)
- Zuverlässiger Leitungsschutz mit 16 A Nennstrom (Typ B): Ideal für Endstromkreise mit geringen Einschaltströmen wie Beleuchtung, Steuerleitungen...
- 6 kA Schaltvermögen nach EN 60898-1: Hohe Kurzschlussfestigkeit garantiert eine sichere Abschaltung auch bei Fehlerströmen in weitläufigen...
❓ Muss ich Reihenklemmen vorsehen um Reserve LS-Schalter einzusetzen?
Es ist nicht unbedingt nötig Reihenklemmen vorzusehen. Ich persönlich finde Reihenklemmen aber sehr sinnvoll insbesondere dann, wenn man Reserve in seinen Stromkreisverteilern einplanen möchte. Es macht die spätere Nachinstallation von Stromkreisen deutlich einfacher und erhöht die Flexibilität, wenn man Reihenklemmen einsetzt.
In bestimmten Bereichen wie öffentlichen Gebäuden, Krankenhäusern oder der Industrie sind Reihenklemmen auch Standard und zum Teil vorgeschrieben. Lies dazu auch meinen Artikel zum Reihenklemmen: Warum werden sie installiert?
Reihenklemmen gibt es in verschiedensten Ausführungen. Sinnvoll ist der Einsatz von Dreileiterklemmen, die Außenleiter, Neutralleiter und Schutzleiter in einer Klemme auf geringstem Platz vereinen.
❓ Müssen Reserve-Leitungsschutzschalter gekennzeichnet werden?
Nein. Reserve Leitungsschutzschalter müssen nicht besonders gekennzeichnet werden. Für sie sind die gleichen Normen anzuwenden wie für alle anderen Stromkreise. Eine Beschriftung ist daher in jedem Fall nötig. In der zugehörigen Legende z.b. in der Stromkreisliste in der Tür werden diese Stromkreise einfach mit „Reserve“ bezeichnet. Auch in Stromlaufplänen werden diese einfach eingezeichnet, ohne abgehende Leitung und mit der Bezeichnung „Reserve“.
❓ Darf ich Leitungsschutzschalter selbst nachinstallieren?
Das ist eine Frage auf die man viele verschiedene Antworten bekommen wird, jenachdem wen man fragt. Grundsätzlich muss man hier verschiedene Dinge beachten.
Arbeiten an Elektrischen Anlagen sind nach DIN VDE 0105-100 ausschließlich von Elektrofachkräften auszuführen. Elektrofachkraft ist, wer aufgrund fachlicher Ausbildung, Berufserfahrung und Kenntnisse der einschlägigen Normen und Vorschriften elektrotechnische Arbeiten Planen, Ausführen und Prüfen kann und Gefahren Erkennen und Beurteilen kann. Das dürfte auf die meisten Laien nicht zutreffen.
Nach den Technischen Anschlussbedingungen der Netzbetreiber sowie §13 Niederspannungsanschlussverordnung (NAV), dürfen Arbeiten an Elektrischen Anlagen nur von Personen ausgeführt werden die eine Eintragung ins Installateurverzeichnis des Netzbetreibers haben.
In Bezug auf die allgemein anerkannten Regeln der Technik gilt § 49 Abs. 2 Nr. 1 des Energiewirtschaftsgesetzes entsprechend. Die Arbeiten dürfen außer durch den Netzbetreiber nur durch ein in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragenes Installationsunternehmen durchgeführt werden; im Interesse des Anschlussnehmers darf der Netzbetreiber eine Eintragung in das Installateurverzeichnis nur von dem Nachweis einer ausreichenden fachlichen Qualifikation für die Durchführung der jeweiligen Arbeiten abhängig machen. Mit Ausnahme des Abschnitts zwischen Hausanschlusssicherung und Messeinrichtung einschließlich der Messeinrichtung gilt Satz 4 nicht für Instandhaltungsarbeiten.
Zusammenfassung: Stellung von Reserve-Leitungsschutzschaltern
Zusammenfassend lässt sich nun festhalten: Es gibt keine besondere Forderung in den Normen und Vorschriften der VDE, die eine bestimmte Stellung von Reserve-Leitungsschutzschaltern vorschreiben. Auch ist nicht vorgeschrieben, dass man Reserve-Leitungsschutzschalter vorsehen muss oder wie viele. Es wird in der DIN 18015-1 lediglich empfohlen, dass man in einem Stromkreisverteiler eine Platzreserve von 20% vorsieht. Bei einem Stromkreisverteiler mit fünf Reihen sollte alsos mindestens eine Reihe oder zwölf Teilungseinheiten Platzreserve eingeplant werden.
Weitere Informationen:
- Aufteilung von Stromkreisen auf Fehlerstromschutzschalter (RCD)
- Zuleitung zum Stromkreisverteiler: Mindestquerschnitt
- Beleuchtungsstromkreise richtig absichern
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