Batteriespeicher auf dem Oktoberfest

Stromversorgung auf dem Oktoberfest: Batteriespeicher verhindern Stromausfälle

Millionen Besucher, riesige Festzelte, Fahrgeschäfte, Beleuchtung, elektrische Küchen und Heizstrahler: Das Oktoberfest in München benötigt enorme Mengen elektrischer Energie. Besonders die großen Festzelte stellen die Stromversorgung vor eine Herausforderung. Während die verfügbare Anschlussleistung begrenzt ist, können kurzfristig Lastspitzen von mehr als 500 kW in einzelnen Zelten auftreten. Auf dem Oktoberfest 2026 sollen deshalb große Batteriespeicher dafür sorgen, dass die Stromversorgung auf dem Oktoberfest auch während solcher Spitzen stabil bleibt.

Wer beim Oktoberfest an Energie denkt, dürfte zunächst an die Beleuchtung der Fahrgeschäfte und Festzelte denken. Tatsächlich steckt hinter der Wiesn jedoch eine enorme elektrotechnische Infrastruktur.

Nach Angaben der Stadtwerke München werden die rund 750 Abnehmer auf der Wiesn und der Oidn Wiesn über 16 oberirdische und drei unterirdische Trafostationen versorgt. Hinzu kommen rund 62 Kilometer Stromkabel und 160 Verteilerschränke.

Während der 16 Veranstaltungstage werden mehr als drei Millionen Kilowattstunden elektrische Energie benötigt. Die maximale benötigte Leistung entspricht nach Angaben der Stadtwerke München ungefähr dem Bedarf einer Kleinstadt mit rund 21.000 Einwohnern.

Doch gerade bei einzelnen großen Festzelten reicht die zur Verfügung stehende Anschlussleistung inzwischen nicht mehr aus, um jede denkbare Lastspitze problemlos aus dem Netz abzudecken.

Rund 420 kW Anschlussleistung für ein großes Festzelt

Wie groß die elektrische Leistung eines Festzeltes mittlerweile sein kann, zeigt ein Beispiel aus der Praxis. Nach Angaben des Batteriespeicherherstellers TESVOLT stehen einem großen Festzelt auf dem Oktoberfest rund 420 kW Anschlussleistung zur Verfügung.

Das klingt zunächst nach sehr viel Leistung. Zum Vergleich: Bei einem üblichen dreiphasigen Hausanschluss mit 63 A stehen bei 400 V theoretisch nur rund 44 kVA zur Verfügung. Ein großes Festzelt bewegt sich damit in einer völlig anderen Größenordnung.

Doch selbst 420 kW reichen während der Wiesn nicht immer aus. In Spitzenzeiten kann der tatsächliche Leistungsbedarf eines großen Zeltes laut TESVOLT auf deutlich über 500 kW steigen. Die vorhandene Netzanschlussleistung wird damit zeitweise überschritten.

Im schlimmsten Fall bedeutet das für das Festzelt: Stromausfall.

 Vor dem Start der Wiesn wurden die drei TESVOLT FORTON Batteriespeicher sicher verpackt angeliefert. ©TESVOLT
Vor dem Start der Wiesn wurden die drei TESVOLT FORTON Batteriespeicher sicher verpackt angeliefert. ©TESVOLT

Stromausfälle auf dem Oktoberfest

Dass dieses Szenario keineswegs nur theoretischer Natur ist, zeigte sich bereits während des Oktoberfests 2025. Nach Angaben von TESVOLT kam es im Löwenbräu-Festzelt zweimal zu einem vollständigen Stromausfall. Auch das Pschorr-Bräurosl-Festzelt war einmal betroffen.

Für ein mit mehreren Tausend Menschen gefülltes Festzelt ist ein solcher Ausfall besonders problematisch. Neben Beleuchtung und Veranstaltungstechnik sind zahlreiche weitere Anlagen von der Stromversorgung abhängig. Dazu gehören unter anderem Küchengeräte, Spülmaschinen, Kühlanlagen, Lüftungstechnik und weitere technische Einrichtungen.

Die Ursache liegt dabei nicht unbedingt in einem grundsätzlich zu klein dimensionierten Anschluss. Das eigentliche Problem sind die kurzzeitig auftretenden Leistungsspitzen.

Batteriespeicher fangen Lastspitzen ab

Beim Oktoberfest 2026 werden drei Batteriespeicher vom Typ TESVOLT FORTON eingesetzt.

Zwei Systeme befinden sich am Pschorr-Bräurosl-Festzelt, ein weiteres am Löwenbräu-Festzelt. Installiert wurden die Anlagen von MP Elektrotechnik München.

Die Aufgabe der Speicher lässt sich vereinfacht mit einem Begriff beschreiben:

Peak Shaving beziehungsweise Lastspitzenkappung.

Dabei muss der Batteriespeicher nicht permanent die komplette elektrische Versorgung des Festzeltes übernehmen. Stattdessen liefert das öffentliche Stromnetz zunächst die benötigte Leistung. Nähert sich der Leistungsbezug der maximal verfügbaren Anschlussleistung, kann der Batteriespeicher zusätzliche Leistung bereitstellen.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Netzanschluss des Festzeltes: 420 kW

Aktueller Leistungsbedarf: 520 kW

Zusätzlicher Leistungsbedarf: 100 kW

Diese zusätzlichen 100 kW können zeitweise aus dem Batteriespeicher bereitgestellt werden.

Der Batteriespeicher wirkt gewissermaßen als elektrischer Puffer zwischen dem begrenzten Netzanschluss und den stark schwankenden Verbrauchern.

Warum entstehen in einem Festzelt solche Lastspitzen?

Ein großes Festzelt ähnelt aus elektrotechnischer Sicht eher einem großen Gewerbe- oder Industriebetrieb als einer gewöhnlichen Veranstaltung. Besonders die Gastronomie benötigt hohe Leistungen.

Großküchen verfügen beispielsweise über leistungsstarke Koch-, Grill-, Spül- und Küchengeräte. Hinzu kommen Beleuchtung, Lüftung, Veranstaltungstechnik und zahlreiche weitere elektrische Verbraucher.

Ein weiterer großer Verbraucher sind elektrische Heizstrahler. Nach Angaben von TESVOLT können die Heizstrahler im Außenbereich eines einzigen Festzeltes zusammen eine Leistung von rund 150 kW erreichen. Insbesondere an kalten Tagen kann dadurch der Strombedarf erheblich steigen.

Wenn gleichzeitig die Küche unter Volllast arbeitet, Kühlanlagen laufen und weitere Verbraucher eingeschaltet sind, entstehen entsprechend hohe Lastspitzen. Das ist eine Herausforderung für die Stromversorgung auf dem Oktoberfest.

Zwei Stunden Zeit statt weniger Minuten

Ein wesentlicher Vorteil der Batteriespeicher ist, dass sie den Verantwortlichen Zeit zu reagieren gibt. Die Batteriespiecher müssen eine Überlastung nicht zwangsläufig dauerhaft ausgleichen. Sie müssen lediglich eine gewisse Zeit überbrücken, in denen man auf den hohen Strombedarf reagieren kann. Die Batteriespeicher liefern dabei einen Puffer von etwa 2 Stunden.

Statt innerhalb weniger Minuten reagieren zu müssen, können die Verantwortlichen zunächst feststellen, wo die hohe Leistungsaufnahme entsteht. Anschließend können beispielsweise in Absprache mit der Küche einzelne Verbraucher reduziert oder zeitweise abgeschaltet werden.

Der Speicher übernimmt damit nicht einfach nur zusätzliche Leistung, sondern wird Bestandteil eines intelligenten Lastmanagements.

Stromversorgung auf dem Oktoberfest: Stromnetz an der Belastungsgrenze

Vielen drängt sich bei diesem Thema eine andere Lösung auf: Wenn 420 kW pro Zelt nicht reichen, könnte man die Anschlussleistung beispielsweise auf 600 oder 700 kW erhöhen.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Das Oktoberfest wird mittlerweile von fest installierten Mittelspannungstransformatoren und einem eigenen fest installierten Netz versorgt. Während des Oktoberfestes, laufen diese Transformatoren mittlerweile an ihrer Belastungsgrenze. Eine  Erhöhung der verfügbaren Leistung ist nach Aussage der Stadtwerke München nicht mehr möglich.

Um Veranstaltern mehr elektrische Energie zur Verfügung zu stellen, wären massive Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur nötig, insbesondere einer stärkeren Anbindung auf 110kV und 10kV Ebene. Nach Aussagen der Verantwortlichen, stehen die Kosten für diesen Ausbau in keinem wirtschaftlichen Verhältnis. Entsprechend dürfte in absehbarer Zeit nicht mit einem Ausbau der Stromversorgung zu rechnen sein.

Batteriespeicher bieten hier einen anderen Ansatz: Das vorhandene Netz liefert weiterhin die Grundlast beziehungsweise die dauerhaft verfügbare Leistung. Nur wenn kurzfristig zusätzliche Leistung benötigt wird, springt der Speicher ein.

Das Oktoberfest als Belastungsprobe für die Elektrotechnik

Die Wiesn stellt ungewöhnlich hohe Anforderungen an die elektrische Infrastruktur. Innerhalb weniger Wochen entsteht auf der Theresienwiese praktisch eine temporäre Kleinstadt. Insgesamt stellen auf dem Oktoberfest 62 Kilometer Stromkabel und 19 Trafostationen sowie 160 Verteilerschränke die Energieversorgung sicher. Damit werden rund 750 Abnehmer werden mit elektrischer Energie versorgt.

Nach Angaben der SWM liegt der Stromverbrauch während der 16 Veranstaltungstage bei gut drei Millionen Kilowattstunden. Das entspricht ungefähr dem Jahresstromverbrauch von 1.200 Haushalten.

Noch beeindruckender ist die benötigte Spitzenleistung: Sie entspricht laut SWM ungefähr der einer Kleinstadt mit rund 21.000 Einwohnern.

Dabei muss die Versorgung nicht nur leistungsfähig, sondern auch äußerst zuverlässig sein. Während des Oktoberfests befinden sich Millionen Besucher auf dem Gelände. Ein Fehler in der elektrischen Infrastruktur kann deshalb wesentlich größere Auswirkungen haben als in vielen gewöhnlichen Anlagen.

Die Stadtwerke München halten während der Wiesn entsprechend einen Bereitschaftsdienst rund um die Uhr vor.

Stromversorgung auf dem Oktoberfest
Markus Borke, Area Manager bei TESVOLT (links), und Matthias Poeting, Geschäftsführer von MP Elektrotechnik München bei der Installation der Gewerbespeicher auf der Festwiese. ©TESVOLT

Fazit

Das Oktoberfest ist in jeder Hinsicht eine logistische Herausforderung. Aus Sicht der Energieversorger stellt die Wiesn ein ganz besonderes Projekt dar. So benötigt das Oktoberfest inzwischen elektrische Leistungen in einer Größenordnung, die einer Kleinstadt entspricht.

Während der gesamten Wiesn werden mehr als drei Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht. Gleichzeitig können einzelne große Festzelte kurzzeitig Leistungen von mehr als 500 kW benötigen.

Genau diese Lastspitzen werden zunehmend zum Problem.

Beim Oktoberfest 2026 kommen deshalb im Pschorr-Bräurosl- und im Löwenbräu-Festzelt insgesamt drei Batteriespeicher zum Einsatz. Sie sollen die vorhandenen Netzanschlüsse entlasten und zusätzliche Leistung bereitstellen, wenn der Strombedarf kurzfristig über die verfügbare Anschlussleistung steigt.

Elektrotechnisch ist das besonders interessant, weil der Speicher hier nicht in erster Linie zur Speicherung von Solarstrom eingesetzt wird. Seine wichtigste Aufgabe ist die Lastspitzenkappung und damit die Stabilisierung der Stromversorgung.

Das Oktoberfest wird damit zu einem anschaulichen Beispiel dafür, welche Rolle Batteriespeicher künftig auch in Gewerbe, Industrie und elektrischen Verteilnetzen spielen können. Das sichert nicht nur eine stabile Stromversorgung sondern spart auch Kosten, da insbesondere Lastspitzen bei Großverbrauchern teurer berechnet werden als die Grundlast.

Es bleibt abzuwarten, wie das Fazit der Beteiligten nach der Zeit des Oktoberfestes sein wird. Bisher scheint die Planung aller Beteiligten aber aufzugehen.

Batteriespeicher auf dem Oktoberfest
Keine Stromausfälle mehr: Zwei TESVOLT FORTON Batteriespeicher kappen Lastspitzen im Pschorr-Bräurosl Festzelt auf dem Oktoberfest. ©TESVOLT

Über TESVOLT

Die TESVOLT AG ist ein deutscher Anbieter und Systemintegrator von Batteriespeichersystemen für Gewerbe, Industrie und Utility-Scale-Anwendungen. Als Full-Service-Anbieter übernimmt TESVOLT alle Schritte von der Projektplanung über den Bau und Betrieb bis zur Stromvermarktung von Großspeicheranlagen. Über die Tochtergesellschaft TESVOLT ENERGY können Speichersysteme bereits ab 50 kW Leistung am Energiehandel teilnehmen.

Zur Unternehmensgruppe gehört außerdem die TESVOLT OCEAN GmbH, die Batteriespeicherlösungen für maritime Anwendungen entwickelt. TESVOLT wurde 2014 gegründet und hat weltweit mehr als 6.000 Speicherprojekte realisiert.

Quellen und weitere Informationen:

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