Duspol oder Multimeter

Duspol oder Multimeter? Unterschiede & richtiger Einsatz

Duspol und Multimeter gehören zur Grundausstattung aller Elektrofachkräfte. Auf den ersten Blick können beide Geräte dasselbe: Eine elektrische Spannung feststellen und anzeigen. Trotzdem gibt es einige wichtige Unterschiede, insbesondere beim Feststellen der Spannungsfreiheit.

Der zweipolige Spannungsprüfer, umgangssprachlich häufig einfach als Duspol* bezeichnet, ist vor allem ein Prüfgerät für das sichere Arbeiten an elektrischen Anlagen. Ein Digitalmultimeter ist dagegen ein Vielfachmessgerät, mit dem sich elektrische Größen wie Spannung, Widerstand, Strom, Frequenz oder Kapazität teilweise sehr genau bestimmen lassen.

Deshalb ist die eigentliche Frage nicht: „Ist ein Duspol oder ein Multimeter besser?“, sondern: Welche elektrische Größe möchte ich messen und welchem Zweck dient die Messung?

Für das Feststellen der Spannungsfreiheit einer Niederspannungsanlage ist ein geeigneter zweipoliger Spannungsprüfer das richtige Werkzeug. Für eine detaillierte Fehlersuche und genaue Messwerte bietet dagegen das Multimeter deutlich mehr Möglichkeiten.

Was ist eigentlich ein Duspol?

Der Begriff DUSPOL® ist eigentlich eine Produktbezeichnung des deutschen Herstellers BENNING. Der erste DUSPOL* wurde bereits 1948 entwickelt. Inzwischen wird der Begriff im Elektrohandwerk häufig als Synonym für zweipolige Spannungsprüfer verwendet.

Technisch korrekt spricht man von einem zweipoligen Spannungsprüfer.

Im Gegensatz zum bekannten einpoligen Phasenprüfer* besitzt der zweipolige Spannungsprüfer zwei Prüfspitzen. Zur Spannungsprüfung werden diese mit zwei unterschiedlichen Potentialen verbunden, beispielsweise:

  • Außenleiter L gegen Neutralleiter N
  • Außenleiter L gegen Schutzleiter PE
  • zwei Außenleiter gegeneinander
  • Plus gegen Minus bei Gleichspannung
Angebot
BENNING DUSPOL digital Digitaler True RMS Spannungsprüfer (Prüfart 2-polig, Spannungsmessbereich 1 V - 1000 V AC/ 1200 V DC, Durchgangsprüfung) 50263*
  • Geeignet für Elektrotechnik, Industrie, Instandhaltung, Service (Fehlersuche), Photovoltaik-/ Windkraftanlagen und Hybrid-Fahrzeugtechnik
  • Spannungsmessbereich 1 V - 1000 V AC/ 1200 V DC / Spannungsanzeige ab 50 V auch bei leeren Batterien

Der Spannungsprüfer ermittelt anschließend die zwischen diesen Punkten vorhandene Potentialdifferenz. Moderne Geräte können dabei wesentlich mehr, als lediglich „Spannung vorhanden“ anzuzeigen. Der BENNING DUSPOL digital*  bietet beispielsweise eine Spannungsprüfung bis 1000 V AC beziehungsweise 1200 V DC, True-RMS-Messung, Widerstands- und Frequenzmessung, Diodenprüfung, Drehfeldrichtungsprüfung und eine zuschaltbare Last. Die Geräte sind nach DIN EN 61243-3 (VDE 0682-401) geprüft.

BENNING – DUSPOL Spannungsprüfer

Was ist ein Multimeter?

Hauptartikel: Multimeter: Grundlagen, Funktionen und Kaufempfehlung

Ein Multimeter ist dagegen ein universelles elektrisches Messgerät. Der Name verrät bereits den wesentlichen Unterschied: Ein Multimeter kann mehrere unterschiedliche elektrische Größen messen. Multimeter werden daher auch Vielfachmessgeräte genannt.

Je nach Gerät gehören dazu beispielsweise:

  • Wechselspannung AC
  • Gleichspannung DC
  • Wechselstrom AC
  • Gleichstrom DC
  • Widerstand
  • Durchgang
  • Frequenz
  • Kapazität
  • Diodenspannung
  • Teilweise auch Temperatur, Lichtstärke oder Lautstärke

Professionelle Multimeter* bieten darüber hinaus Funktionen wie True RMS, Min-/Max-Werte, Messwertspeicher oder spezielle Filter.

Ein typisches professionelles Digitalmultimeter wie das Fluke 177* misst beispielsweise Spannungen bis 1000 V, Widerstände bis 50 MΩ, Kapazitäten, Frequenzen sowie AC- und DC-Ströme. Die Grundgenauigkeit bei Gleichspannungsmessungen liegt laut Hersteller bei bis zu ±0,09 %.

Damit wird bereits der grundsätzliche Unterschied deutlich:

Der Duspol ist in erster Linie ein Prüfgerät. Er zeigt an OB eine gefährliche Spannung vorhanden ist. Das Multimeter ist ein universelles Mess- und Diagnosegerät und kann eine genaue Spannungshöhe anzeigen.

Benning MM 5-2 TRMS-Digital-Multimeter, 044071, Rot, Schwarz*
  • Grundmessarten für Spannung, Strom, Widerstand, Frequenz, Kapazität, Temperatur, Durchgang und Diode
  • Hochwertige Abmessungen

Duspol vs. Multimeter im direkten Vergleich

Anwendung Zweipoliger Spannungsprüfer Multimeter
Spannung vorhanden? sehr gut geeignet geeignet
Spannungsfreiheit feststellen dafür vorgesehen nach VDE und DGUV nicht zu verwenden
230/400 V erkennen sehr gut sehr gut
Exakte Spannungshöhe messen je nach Modell sehr gut
Phantom-/Blindspannungen erkennen sehr gut mit Lastzuschaltung abhängig vom Gerät/LoZ
Widerstand messen teilweise sehr gut
Durchgang prüfen teilweise sehr gut
Strom messen nein ja
Kapazität messen nein ja
Frequenz messen teilweise häufig ja
Drehfeld prüfen häufig möglich normalerweise nein
RCD gezielt auslösen Über Lastzuschaltung normalerweise nein
Elektronik-Fehlersuche eingeschränkt sehr gut
Elektroinstallation sehr gut ergänzend
Präzisionsmessungen eingeschränkt sehr gut

Ich würde auch gar nicht so sehr die Frage stellen was davon besser ist und ob man einen zweipoligen Spannungsprüfer oder ein Multimeter benötigt oder besser benutzt. Entscheidend ist immer der konkrete Anwendungsfall.

Spannungsfreiheit feststellen: Nur mit zweipoligem Spannungsprüfer!

Besonders wichtig wird die Unterscheidung beim Feststellen der Spannungsfreiheit. Das Feststellen der Spannungsfreiheit gehört zu den fünf Sicherheitsregeln bei Arbeiten an elektrischen Anlagen.

Die bekannten fünf Sicherheitsregeln lauten:

  1. Freischalten
  2. Gegen Wiedereinschalten sichern
  3. Spannungsfreiheit feststellen
  4. Erden und kurzschließen
  5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

Für das Feststellen der Spannungsfreiheit in Niederspannungsanlagen sind ausschließlich geeignete zweipolige Spannungsprüfer zu verwenden. Die Anforderungen an entsprechende Geräte werden unter anderem in DIN EN 61243-3 (VDE 0682-401) beschrieben. Außerdem weist die DIN VDE 0105-100 darauf hin, dass zum Feststellen der Spannungsfreiheit ausschließlich zweipolige Spannungsprüfer eingesetzt werden dürfen.

Siehe dazu auch: Spannungsfreiheit feststellen: Arbeiten im spannungsfreien Zustand

Warum ist das Multimeter ungeeignet zum Feststellen der Spannugnsfreiheit?

Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Multimeter zum Feststellen der Spannungsfreiheit eher ungeeignet ist. Zum einen fehlt eine Lastzuschaltung. Dadurch ist es nicht möglich induktive Spannungen sicher zu erkennen.

Ein Hauptgrund, warum das Multimeter nach VDE 0105-100 und DGUV nicht zum Feststellen der Spannungsfreiheit geeignet ist, ist die Fehleranfälligkeit bei der Bedienung. Ein Multimeter besitzt unterschiedliche Messbereiche und häufig mehrere Anschlussbuchsen. Wird beispielsweise versehentlich der Strommessbereich gewählt und das Gerät anschließend parallel an eine Spannungsquelle angeschlossen, kann ein Kurzschluss über das Messgerät entstehen.

Gerade bei leistungsfähigen elektrischen Anlagen kann ein solcher Bedienfehler erhebliche Folgen haben. Hier kam es in der Vergangenheit zu schweren Unfällen und auch Todesfällen.

Ein zweipoliger Spannungsprüfer ist dagegen speziell für diese Prüfaufgabe konstruiert. Das bedeutet nicht, dass ein professionelles Multimeter grundsätzlich ein unsicheres Gerät wäre. Für Messungen an elektrischen Anlagen muss selbstverständlich auch das Multimeter für die jeweilige Messspannung und Messkategorie geeignet sein.

Es geht vielmehr darum, für eine sicherheitsrelevante Prüfung das dafür vorgesehene Prüfgerät einzusetzen.

Wann ist der Duspol die bessere Wahl?

Der zweipolige Spannungsprüfer spielt seine Stärken überall dort aus, wo schnell und sicher das Vorhandensein einer gefährlichen Spannung bestätigt oder ausgeschlossen werden muss.

Wichtig dabei ist, dass ein zweipoliger Spannungsprüfer das Vorhandensein einer gefährlichen Spannung immer anzeigen muss, unabhängig einer zusätzlichen Stromquelle. Das bedeutet, dass auch digitale Spannungsprüfer jederzeit auf das Vorhandensein einer gefährlichen Spannung >50V AC hinweisen müssen.

Messkategorien CAT II, CAT III und CAT IV beachten

Unabhängig davon, ob Duspol oder Multimeter verwendet werden, muss das Gerät für die jeweilige Messumgebung geeignet sein. Hier kommen die sogenannten Messkategorien ins Spiel.

Vereinfacht lassen sie sich folgendermaßen einordnen:

Messkategorie Typischer Bereich
CAT II angeschlossene Betriebsmittel und vergleichbare Stromkreise
CAT III feste Gebäudeinstallation und Verteilungen
CAT IV Niederspannungsnetz / Hausanschluss

Dabei reicht es nicht aus, ausschließlich auf die maximal aufgedruckte Spannung zu achten.

Die Kombination aus Messkategorie und zulässiger Spannung ist entscheidend.

Fluke nennt beispielsweise für Messungen in einer 400-V-Unterverteilung mindestens ein Messgerät der Kategorie CAT III 600 V. Ein Gerät mit CAT III 1000 V oder CAT IV 600 V erfüllt entsprechend höhere Anforderungen.

Fluke – Leitfaden zur Sicherheit von Digitalmultimetern

Die aktuellen BENNING-DUSPOL-Modelle sind beispielsweise mit CAT IV 600 V beziehungsweise CAT III 1000 V spezifiziert. Gerade bei Multimetern sollte deshalb nicht einfach irgendein günstiges Messgerät für Arbeiten an 230-/400-V-Anlagen verwendet werden.

Einpoliger Phasenprüfer ist kein Prüfmittel

Nicht verwechselt werden sollte der zweipolige Spannungsprüfer mit dem klassischen Phasenprüfer-Schraubendreher. Bei diesem erfolgt die Prüfung einpolig. Für das sichere Feststellen der Spannungsfreiheit einer Niederspannungsanlage ist ein solcher Phasenprüfer nicht geeignet.

Gleiches gilt für berührungslose Spannungstester. Diese können als zusätzliches Hilfsmittel beispielsweise zum Auffinden spannungsführender Leitungen nützlich sein, ersetzen aber nicht die erforderliche zweipolige Prüfung.

Die DGUV behandelt entsprechende Spannungsprüfer und deren Anwendung im Zusammenhang mit dem sicheren Arbeiten an elektrischen Anlagen.

DGUV – Sicherheit bei Arbeiten an elektrischen Anlagen

Duspol oder Multimeter: Keine Konkurrenzfrage

Duspol oder Multimeter: Meine persönliche Meinung ist, dass sowohl der zweipolige Spannungsprüfer und auch das  Multimeter wichtige Prüf- und Messgeräte in der Elektrotechnik sind.

Der zweipolige Spannungsprüfer ist das wichtigste Prüfgerät für die sichere Spannungsprüfung an Niederspannungsanlagen und insbesondere für das Feststellen der Spannungsfreiheit im Rahmen der fünf Sicherheitsregeln.

Das Multimeter ist dagegen das vielseitigere Messgerät. Sobald Widerstand, Strom, Frequenz, Kapazität oder eine Spannung mit hoher Genauigkeit bestimmt werden sollen, ist es dem klassischen zweipoligen Spannungsprüfer deutlich überlegen.

Wer regelmäßig an elektrischen Anlagen arbeitet, sollte deshalb beide Geräte besitzen. Damit wird nicht das Gerät mit den meisten Funktionen eingesetzt, sondern genau das Mess- oder Prüfgerät, das für die jeweilige Aufgabe vorgesehen ist.

Leider erlebt man im Arbeitsalltag immer wieder, dass aus Faulheit das Gerät genutzt wird, dass gerade Griffbereit ist. Das sollte man in meinen Augen nicht machen. Man sollte sich in jedem Fall überlegen, was ich gerade prüfen oder messen möchte. Und danach das passende Mess- oder Prüfgerät auswählen.

Für mich hat sich im Arbeitsalltag der zweipolige Spannungsprüfer im 230/400-Volt Bereich bewährt. In der digitalen Ausführung kann ich damit auch problemlos eine Spannungshöhe anzeigen, das Drehfeld messen oder einen Durchgang prüfen. Benötige ich an bestimmten Anlagen genaue Messwerte, kommt das Multimeter zum Einsatz.

Wichtig ist mir insbesondere bei unseren Auszubildenden immer darauf hinzuweisen, dass das Feststellen der Spannungsfreiheit als „Lebensversicherung“ IMMER mit einem zweipoligen Spannungsprüfer zu erfolgen hat. Ansonstene muss auch jeder für sich seine richtige Arbeitsweise finden.

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Quellen und weiterführende Informationen


 

 

 

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