Die Leitungsverlegung ist ein zentraler Bestandteil der Elektroinstallation – sowohl im Neubau als auch bei der Altbausanierung oder Erweiterung im Bestand. Unter Leitungsverlegung versteht man die fachgerechte Führung von elektrischen Kabeln und Leitungen mit geeigneten Montagesystemen. Grundsätzlich lässt sich dabei zwischen Aufputz- und Unterputzinstallation unterscheiden. Die verschiedenen Verlegearten bieten jeweils verschiedene Vor- und Nachteile, die du in diesem Artikel näher kennenlernst.
Je nach Gebäudeart und Voraussetzungen an Brandschutz und technische Umsetzbarkeit unterscheidet sich auch die Wahl der richtigen Verlegeart. Auch die Kosten spielen eine entscheidende Rolle.
Grundlegende Anforderungen an die Leitungsverlegung
Bevor wir auf die einzelnen Verlegearten im Detail eingehen, beschäftigen wir uns kurz mit den grundlegenden Anforderungen an die Leitungsverlegung. Elektrische Leitungsanlagen müssen einige Anforderungen erfüllen, die bei der Planung und Installation beachtet werden müssen.
- Sicherheit: Dazu gehört der Schutz vor elektrischem schlag, Überhitzung und Brand.
- Normenkonformität: Einhaltung der geltenden VDE- und DIN-Normen
- Mechanischer Schutz: Kabel und Leitungen müssen so verlegt werden, dass sie mechanisch vor Beschädigungen geschützt sind. Dazu gehören zum Beispiel Beschädigungen durch Nägel, mechanische Beanspruchung im Betrieb oder durch das Begehen von Leitungen auf oder im Fußboden.
- Wärmeabfuhr: In jedem elektrischen Leiter entsteht eine gewisse Wärmeentwicklung. Diese Wärme muss zuverlässig abgeführt werden und ihre auswirkungen bei der Wahl der Verlegeart berücksichtigt werden. Je schlechter die Wärmeabfuhr, desto geringer die Strombelastbarkeit einer Leitung.
- Zugänglichkeit und Austauschbarkeit: Für bestimmte Leitungen – insbesondere Telekommunikationsleitungen wie Netzwerkleitungen – sollte eine spätere Austauschbarkeit, Zugänglichkeit und Erweiterbarkeit bereits bei der Planung bedacht werden. So sollten Netzwerkleitungen im Wohngebäude nach DIN 18015 austauschbar in Leerrohren verlegt werden
- Optik: Zu guter letzt sollten auch Leitungsanlagen und Leitungsführungssysteme optisch sauber und ansehnlich verlegt werden. Bei der Aufputz Verlegung kommt der Optik eine besondere Rolle zu.
Unterputz Leitungsverlegung
Die wohl häufigste Art der Leitungsverlegung, insbesondere im Wohnungsbau, ist die Unterputz Leitungsverlegung. Dabei werden Schlitze in Wänden hergestellt und die Leitungen dort hineingelegt. Die Befestigung der Leitungen erfolgt mit über verschiedene Befestigungssysteme wie beispielsweise:
- Nagelschellen
In der Unterputzinstallation werden vorwiegend Mantelleitungen vom Typ NYM eingesetzt. Zulässig sind aber auch Erdkabel (NYY) oder J-Y(ST)Y.
Vorteile der Unterputzinstallation
- Optisch beste Lösung: Optisch sehr saubere und ordentliche Lösung, da man die Leitungen nach dem Verputzen nicht mehr sieht
- Hoher mechanischer Schutz: Da die Leitungen in der Wand liegen, unterliegen sie nach dem Verputzen keinerlei mechanischen Belastungen mehr.
- Dauerhafte Lösung: Durch die feste Verlegung in der Wand eine dauerhafte und sehr langlebige Lösung
Nachteile der Unterputzinstallation
- Hoher Arbeitsaufwand: Das Herstellen von Schlitzen und das Befestigen der Leitungen in den Schlitzen, erfordert einen höheren Zeitaufwand als andere Verlegearten. Insbesondere das Herstellen von Schlitzen kann je nach Wandart zeitaufwändig und anspruchsvoll sein.
- Hohe Kosten: Durch den höheren Zeitaufwand sind die Kosten deutlich höher als bei anderen Verlegearten
- Geringe Flexibilität: Sind Leitungen einmal unterputz verlegt, lassen sie sich nicht mehr austauschen oder ändern. Auch Schalter und Steckdosen die einmal unterputz verlegt sind, lassen sich nicht mehr so einfach verändern
Typische Einsatzbereiche von Unterputzinstallationen
- Einfamilienhäuser
- Wohnungsbau
- Teilweise auch in Bürogebäuden oder öffentlichen Bereichen, bei gemauerten Wänden
Leitungsverlegung im Installationsrohr
Die Leitungsverlegung im Installationsrohr ist eine weitere Möglichkeit Leitungen zu verlegen. Sie lässt sich aber eher als Ergänzung zu anderen Verlegearten sehen, da auch Rohre unterputz verlegt werden können. Ein Installationsrohr dient in erster Linie dazu Leitungen austauschbar und geschützt zu verlegen. Egal ob Unterputz, im Estrich oder im Erdboden.
Typische Einsatzbereiche von Installationsrohren:
- Leitungsverlegung im oder unter dem Estrich auf dem Rohfußboden
- Unterputzverlegung in Leerohren: In vielen Ländern ist es üblich sowohl Mantelleitungen als auch Einzeladern in Leerohr zu verlegen anstelle der bei uns üblichen Mantelleitungen direkt unterputz zu verlegen.
- Kabelverlegung im Erdreich
- Verlegung von Telekommunikationsleitungen wie Netzwerkleitungen, Telefonleitungen oder Klingelleitungen. Diese müssen nach DIN 18015 austauschbar in Leerrohr verlegt werden
Vorteile von Elektroinstallationsrohren
- Höhere Flexibilität, da Leitungen austauschbar bleiben
- Leitungen können an Weiterentwicklungen von Technologien angepasst werden (zum Beispiel modernere Netzwerkleitungen bei neuen Technologien)
- Leitungen sind besser geschützt, vorallem bei Verlegung auf dem Rohfußboden oder im Erdreich
Nachteile von Elektroinstallationsrohren
- Höhere Kosten, sowohl für Material als auch Arbeitszeit
- Höherer Zeitaufwand, da die Verlegung aufwändiger ist
- Größerer Platzbedarf, da die Rohre deutlich größer sind als Leitungen oder Kabel. Insbesondere bei der Unterputzinstallation müssen Schlitze daher deutlich größer ausfallen
- Bei schlechter Planung oder Installation ist eine Austauschbarkeit von Leitungen später nicht mehr gewährleistet
- Es kann zu Konflikten mit anderen Gewerken wie dem Estrichleger kommen, wenn Rohre auf dem Fußboden verlegt werden
Typische Einsatzbereiche von Elektroinstallationsrohren
- Verlegung von Kabeln und Leitungen auf dem Rohfußboden im Neubau
- Verlegung von Telekommunikationsleitungen
- Verlegung von Kabeln im Erdreich
- Verlegung von Leitungen und Kabeln im Rohbeton direkt auf Deckenschalungen oder in Wänden
Leitungsverlegung auf dem Rohfußboden
Eine weitere Möglichkeit ist die Leitungsverlegung auf dem Rohfußboden z.b. im oder unter dem Estrich. Siehe hierzu auch meinen eigenen Artikel Elektroinstallation auf dem Rohfußboden.
Aufputzverlegung in Kabelkanälen und PVC-Rohr
Eine weitere Möglichkeit Kabel und Leitungen aufputz zu installieren ist die Verwendung von Kabelkanälen und Stangenrohren. Dabei gibt es sowohl Kabelkanäle aus Kunststoff als auch aus Stahlblech für Bereiche mit erhöhten Brandschutzanforderungen wie Fluchtwege und Treppenhäuser. Auch Stangenrohre gibt es standardmäßig in PVC oder auch als Stahlpanzerrohr (Stapa).
Die Vorteile von Kabelkanälen sind eine einfache und sauber Installation, vergleichsweise geringe Kosten und optisch die sauberste Möglichkeit Leitungen Aufputz zu verlegen. Kabelkanäle werden insbesondere für Bereiche mit optisch höheren Anforderungen eingesetzt wie z.B. Wohnungen, Büros, öffentliche Gebäude und überall dort wo Leitungen sauber versteckt werden sollen.
Die Installation im Rohr ist eine der schnellsten Möglichkeiten Leitungen Aufputz zu verlegen. Rohre werden meist in Bereichen eingesetzt in denen die Optik nicht die entscheidende Rolle spielt. Auch Rohre können sehr sauber und ordentlich installiert werden und optisch gut aussehen. Allerdings sind sie deutlich als Rohre mit Leitungen zu erkennen und werden daher eher in Kellerräumen, Tiefgaragen, in Technikräumen oder Lagern eingesetzt.
Verlegung auf Kabelpritschen und Kabelwannen
Insbesondere dann, wenn viele Kabel und Leitungen zusammen verlegt werden sollen, kommen Kabelpritschen und Kabelwannen zum Einsatz. Diese zeichnen sich insbesondere durch ihre hohe Traglast aus. Eine typische Kabelwanne hat eine Breite von 30-60cm und wird meist abgehängt an der Decke oder mit Auslegern an der Wand montiert. Auf Kabelwannen werden meist eine Vielzahl von Leitungen parallel verlegt. Diese kommen insbesondere in Bürogebäuden und großen Gebäudekomplexen zum Einsatz.
Typischerweise werden Kabelwannen in abgehängten Decken montiert, wo sie später nicht mehr sichtbar sind. So laufen in den meisten Bürogebäuden oder Krankenhäusern Kabelwannen in jedem Flur in der Hohldecke entlang um die Leitungen der angrenzenden Räume zu führen. Die Installation ist aufwändiger und die Materialkosten vergleichsweise hoch. Zu beachten ist, dass Leitungen für Niederspannung getrennt von Telekommunikationsleitungen verlegt werden müssen. Hierfür sind entweder ein ausreichender Abstand oder getrennte Kabelpritschen einzuplanen.
FAQ zum Thema Leitungsverlegung
Was ist der Unterschied zwischen einem Kabel und einer Leitung?
Die Begriffe Kabel und Leitung werden häufig einheitlich benutzt und nicht unterschieden. Fachlich korrekt ist jedoch: Kabel sind grundsätzlich für die Verlegung im Erdreich vorgesehen (z.b. Erdkabel NYY), während Leitungen für die klassische Aufputz- und Unterputzinstallation vorgesehen sind, (z.B. Mantelleitung NYY).
Dürfen Leitungen direkt auf dem Rohfußboden unter den Estrich verlegt werden?
Grundsätzlich dürfen Leitungen wie Mantelleitung (NYM) oder Erdkabel (NYY) direkt auf den Rohfußboden und damit unter dem Estrich verlegt werden. Es ist jedoch ein ausreichender mechanischer Schutz zu gewährleisten. Während den Bauarbeiten laufen Menschen über die Leitungen, es fällt Werkzeug oder Material darauf und die Leitungen können beschädigt werden. Auch wenn es nach Norm zulässig wäre Mantelleitungen direkt auf dem Rohfußboden zu verlegen, sollte hier immer die Verlegung im Elektroinstallationsrohr gewählt werden.
Darf Mantelleitung (NYM) im Erdreich verlegt werden?
Mantelleitungen NYM sind bestimmt für die Verlegung über, auf, im und unter Putz in trockenen, feuchten und nassen Räumen sowie im Mauerwerk und im Beton, ausgenommen für direkte Einbettung in Schüttel-, Rüttel- oder Stampfbeton. Diese Leitungen sind auch für die Verwendung im Freien geeignet, sofern sie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind. Eine Verlegung im Erdreich ist nach VDE nicht zulässig. Auch nicht bei der Verlegung im Rohr!
Welche Normen sind bei der Verlegung von Kabeln und Leitungen wichtig?
- DIN VDE 0100–520: Errichten von Niederspannungsanlagen Teil 5-52: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Kabel- und Leitungsanlagen
- DIN VDE 0298–4: Verwendung von Kabeln und isolierten Leitungen für Starkstromanlagen
- DIN 18015–3: Elektrische Anlagen in Wohngebäuden – Teil 3: Leitungsführung und Anordnung der Betriebsmittel
- DIN EN 61386-1 VDE 0605-1:2020-08: Elektroinstallationsrohrsysteme für elektrische Energie und für Informationen
Weitere Informationen
- Elektroinstallation auf dem Rohfußboden
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