VDE-AR-N 4100:2019-04 – Ab 01.04. bindend!

Zum 01.April.2019 tritt die neue Anwendungsregel VDE-AR-N 4100:2019-04 in Kraft und bereitet den Zählerschrank auf zukünftige Anforderungen der Energiewende vor. Die Übergangsfrist endet zum 26.April.2019 – ab dann müssen alle Anlagen, ob in Bau oder Planung den neuen Anforderungen entsprechen.

Die neue Anwendungsregel beschreibt

  • Den Anschluss von Zählerplätzen an das Hauptstromversorgungssystem sowie die zulässigen Betriebs- und Umgebungsbedingungen. Die Gültigkeit erstreckt sich neben Bezugsanlagen auch auf Erzeugungsanlagen nach der ebenfalls neu erschienenen VDE-AR-N-4105.
  • Den symmetrischen Anschluss und Betrieb von Ladestationen, Speichern und PV-Anlagen
  • Zählerplätze für den Einsatz von Messeinrichtungen nach dem Messstellenbetriebsgesetz. Anwendungenaus den Bereichen Energieeffi zienz,dezentrale Energieerzeugung, Elektromobilitätund Energiespeicherungsind darin berücksichtigt.

Die neue Anwendungsregel gestattet generell sowohl den Einsatz von Zählerplätzen nach DIN VDE 0603 mit integrierter Befestigungs- und Kontaktiereinrichtung (BKE-I) für eHZ als auch den Einsatz von Zählerplätzen mit klassischer 3-Punkt Befestigung.

Bindend für fast alle Anlagen

Die neue Anwendungsregel ist bindend für alle neu zu errichtenden Zähleranlagen. Darüber hinaus ist sie bindend umzusetzen bei allen Erweiterungen, Nutzungsänderungen oder Änderungen der Betriebsbedingungen. Der umgangssprachliche „Bestandsschutz“ besteht hier also nicht. Wird eine Anlage geändert muss die Anlage den neuen Regeln entsprechen.

Neuregelungen im Detail

Ich stelle hier kurz die wichtigsten Neuerungen vor, für Details empfehle ich den Hager Tipp 44, der dieses Thema ausführlich behandelt.

Aufbau des Zählerplatzes

  • Anlagenseitiger Anschlussraum (AAR): (ehemals oberer Anschlussraum) mit einer Höhe von 300mm
  • Zählerfeld (ZF) mit einer Gesamthöhe von 450 mm.Dieses setzt sich bei Zählerfeldern mit BKE-I aus dem Bereich zur Aufnahme der Messeinrichtung (eHZ) mit einer Höhe von 300 mm sowie dem Raum für Zusatzanwendungen (RfZ) mit 150 mm Höhe zusammen.
  • netzseitiger Anschlussraum (NAR) – ehemals unterer Anschlussraum (UAR) –mit 5-poligem Sammelschienensystem, vorbereitet zum Einbau der Trennvorrichtung (Selektive Leitungsschutzschalter) für die Kundenanlage. Die Höhe beträgt 300 mm.

Technische Ausführung von Zählerplätzen

  • Zählerplätze sind für Bemessungsströme von 63A auszulegen
  • Räume mit einer Umgebungstemperatur von über 30°C (nach DIN 18012 mehr als eine Stunde) sind nicht zulässig
  • Nicht belegte Zählerfelder müssen berührungssicher und spannungsfreiausgeführt sowie gegen Einschalten gesichert werden
  • Zählertafeln sind nicht mehr zulässig. Es dürfen nur noch Zählerschränke nach DIN VDE 0603 eingesetzt werden.

Der anlagenseitige Anschlussraum (AAR)

Laut Anwendungsregel sind ausschließlich Zählerplätze nach DIN VDE 0603-2-1mit einem AAR von 300 mm zu verwenden. Im AAR dürfen folgende Betriebsmittel untergebracht werden:

  1. Hauptleitungsabzweigklemmen oder Hauptschalter
  2. Freigaberelais – für steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG.
  3. HAN-Schnittstellen – (für die leitungsgebundene Übertragungvon Daten in die Kundenanlage)
  4. RCDs, LS-Schalter und Kombinationen beider Geräte (z. B. FI/LS) – zur Absicherung von maximal drei Wechselstromkreisen (z. B. für Waschmaschine, Trockner). Diese sind mit max. 16 A/10 kA abzusichern. Einer dieser drei möglichen Stromkreisedarf auch zur Absicherung von Erzeugungsanlagen oder Ladestationen für Elektrofahrzeuge verwendet werden. Es dürfen nur Kurzschlussschutzeinrichtungen mit einem Kurzschlussschaltvermögen von 10kA verwendet werden.
  5. Überspannungsschutz (SPD) – vom Typ 1 oder Typ 2

Der Netzseitige Anschlussraum (NAR)

  • 5-Poliges Sammelschienensystem
  • Die Hauptleitung ist im Gebäude ab erstmöglicher Stelle 5-Polig auszuführen. Die Aufteilung des PEN in PE und N sollte also nach möglichkeit direkt im Hausanschlusskasten, spätestens aber im NAR erfolgen
  • Es sind SLS-Schalter zu verwenden die sperr- und plombierbar sind. NH00 Sicherungen sind als Trennvorrichtung im NAR nicht mehr zulässig
  • Nach DIN VDE 0100-443 ist ein Überspannungsschutz in fast allen Gebäuden vorgesehen. Dieser lässt sich ebenfalls im NAR unterbringen, am besten in Form eines Kombiableiters (diese kombinieren Überspannungsableiter vom Typ 1, Typ 2 und Typ 3 in einem Gerät)

Sonstiges

  • Min. 1x RJ45-Buchse je Zählerschrank
  • Raum für APZ vorsehen
  • In jedem Zählerschrank muss mindestens ein Spannungsabgriff zur Spannungsversorgung v on Smart Meter Gateways vorgesehen werden. Abzusichern mit max. 16A / 25kA LS.

Ausführlichere Informationen

Ich habe hier die meiner Meinung nach wichtigsten Änderungen aufgeführt. Da das Thema sehr umfangreich ist empfehle ich sich bei Bedarf genauer zu informieren. Sehr empfehlenswert ist hierfür der Hager Tipp 44, hier werden alle Neuerungen übersichtlich und mit vielen Beispielen erklärt.

 

Quellen