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ElektrikerWissen.de Weekly: KW 38/2026 – Smart Meter, Windkraft, Strompreise

Smart Meter, Windkraft, Strompreise & die wichtigsten Elektro-News der Woche

Die Elektrotechnik verändert sich derzeit schneller als in vielen Jahren zuvor. Smart Meter, Photovoltaik, Wärmepumpen, Wallboxen und Batteriespeicher sorgen dafür, dass immer mehr Leistung an das Niederspannungsnetz angeschlossen wird. Gleichzeitig werden Stromnetze digitalisiert, intelligente Messsysteme ausgerollt und neue Möglichkeiten wie das bidirektionale Laden von Elektroautos vorbereitet.

Für Elektriker und Elektrofachbetriebe bedeutet das: Das klassische Elektrohandwerk verschwindet keineswegs – im Gegenteil. Allerdings kommen immer mehr Aufgaben aus den Bereichen Energietechnik, Kommunikation, Messwesen und Digitalisierung hinzu.

Im ElektrikerWissen Weekly schauen wir deshalb regelmäßig auf interessante Entwicklungen aus der Elektrobranche.

In dieser Woche geht es unter anderem um den Smart-Meter-Rollout in Deutschland, die aktuelle Windkraft-Ausschreibung, steigende Anforderungen an unsere Stromnetze, bidirektionales Laden, die Zusammenarbeit verschiedener Gewerke bei Photovoltaikanlagen und die Frage, wie sich die Stimmung im Elektrohandwerk entwickelt.


1. Smart-Meter-Rollout: Erst 5,9 Prozent der Messlokationen mit intelligentem Messsystem

Eines der interessantesten Themen dieser Woche kommt direkt von der Bundesnetzagentur. Am 21. September wurden neue Zahlen zum Ausbau intelligenter Messsysteme in Deutschland veröffentlicht.

Zum Stichtag 30. Juni 2026 wurden insgesamt rund 54,1 Millionen Messlokationen gemeldet. Bei etwa 3,17 Millionen Messlokationen war bereits ein intelligentes Messsystem installiert.

Das entspricht gerade einmal 5,9 Prozent aller erfassten Messlokationen. Im ersten Halbjahr 2026 kamen nach korrigierten Angaben der Bundesnetzagentur ungefähr 765.000 intelligente Messsysteme hinzu.

Damit wird deutlich, welche Dimension der Smart-Meter-Rollout in den kommenden Jahren noch erreichen muss.

Ein intelligentes Messsystem besteht dabei nicht einfach nur aus einem digitalen Stromzähler. Entscheidend ist die Verbindung einer modernen Messeinrichtung mit einem Smart-Meter-Gateway. Darüber können Messwerte sicher übertragen und perspektivisch weitere Funktionen für ein intelligenteres Stromnetz umgesetzt werden.

Gerade für Elektriker ist diese Entwicklung interessant, denn die Digitalisierung des Messwesens hängt unmittelbar mit anderen Entwicklungen zusammen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • dynamische Stromtarife,
  • steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG,
  • Wärmepumpen,
  • Wallboxen,
  • Batteriespeicher,
  • Photovoltaikanlagen,
  • Energiemanagementsysteme und
  • eine stärkere Automatisierung der Verteilnetze.

Ein wichtiger Punkt wird häufig übersehen: Ein eingebauter Smart Meter allein bringt dem Stromnetz noch relativ wenig. Die Bundesnetzagentur betont deshalb ausdrücklich, dass intelligente Messsysteme ihre Viertelstundenwerte zuverlässig erfassen und übertragen müssen. Erst dadurch entstehen beispielsweise die technischen Voraussetzungen für zeitvariable Tarife und eine effizientere Steuerung des Netzes.

Smart Meter werden für Elektriker immer relevanter

Für das Elektrohandwerk dürfte das Thema in den nächsten Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen.

Denn gleichzeitig steigt die Zahl der Anlagen, die nicht mehr einfach nur Strom verbrauchen oder erzeugen, sondern aktiv in ein Energiemanagement eingebunden werden können.

Ein modernes Einfamilienhaus könnte beispielsweise gleichzeitig über eine PV-Anlage, einen Batteriespeicher, eine Wärmepumpe und eine Wallbox verfügen. Dazu kommen ein intelligentes Messsystem und möglicherweise ein Home-Energy-Management-System.

Aus einer vergleichsweise einfachen Elektroinstallation wird damit zunehmend ein kleines Energiesystem.

Langfristig sollen laut Bundesnetzagentur spätestens bis 2032 90 Prozent der Pflichteinbaufälle mit intelligenten Messsystemen beziehungsweise intelligenten Messsystemen und Steuerungseinrichtungen ausgestattet sein.

Der derzeitige Stand von 5,9 Prozent zeigt, wie viel Arbeit hier noch bevorsteht.


2. Bundesnetzagentur erhöht beim Smart-Meter-Rollout den Druck

Interessant ist nicht nur die Zahl der eingebauten intelligenten Messsysteme. Die Bundesnetzagentur kontrolliert inzwischen auch stärker, ob die gesetzlichen Ausbauvorgaben tatsächlich eingehalten werden.

Seit März 2026 wurden gegen 434 Unternehmen, welche die entsprechende 20-Prozent-Quote nicht erfüllt hatten, Aufsichtsverfahren eingeleitet. Bei 77 dieser Unternehmen lag die Quote sogar bei null Prozent. 150 Verfahren konnten mittlerweile wieder eingestellt werden, unter anderem weil die Quote zwischenzeitlich erreicht wurde.

Das zeigt: Beim Smart-Meter-Rollout geht es inzwischen zunehmend von der Planungs- in die Umsetzungsphase.

Für Elektrofachkräfte könnte sich daraus ein interessantes zukünftiges Tätigkeitsfeld entwickeln. Schließlich müssen nicht nur Zähler ausgetauscht werden. Je nach Anlage können Änderungen am Zählerplatz, zusätzliche Kommunikationstechnik oder Steuerungseinrichtungen erforderlich werden.

Besonders spannend wird die Verbindung mit § 14a EnWG.

Wallboxen und Wärmepumpen gehören zu den typischen steuerbaren Verbrauchseinrichtungen. Hintergrund der Regelung ist, dass Niederspannungsnetze nicht überall darauf ausgelegt sind, wenn in kurzer Zeit sehr viele leistungsstarke Verbraucher gleichzeitig hinzukommen. Die Bundesnetzagentur verweist selbst darauf, dass viele Niederspannungsnetze für einen schnellen Hochlauf solcher Anwendungen noch nicht ausgelegt sind.

Damit wächst zusammen, was früher weitgehend getrennt betrachtet wurde:

Elektroinstallation + Messwesen + Kommunikation + Netzsteuerung.


3. Windkraft-Ausschreibung erneut deutlich überzeichnet

Auch beim Ausbau der erneuerbaren Energien gab es in dieser Woche neue Zahlen.

Am 17. September veröffentlichte die Bundesnetzagentur die Ergebnisse der Ausschreibung für Windenergieanlagen an Land zum Gebotstermin 1. August 2026.

Ausgeschrieben waren 2.520 MW.

Eingereicht wurden jedoch 461 Gebote mit einem Gesamtvolumen von rund 5.250 MW. Damit wurde mehr als doppelt so viel Leistung angeboten, wie ausgeschrieben war.

237 Gebote mit insgesamt 2.523 MW erhielten einen Zuschlag.

Interessant sind auch die Preise.

Die erfolgreichen Gebote lagen zwischen 4,49 und 4,98 Cent pro Kilowattstunde. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert sank auf 4,79 Cent/kWh. In der vorherigen Ausschreibungsrunde waren es noch 5,06 Cent/kWh.

Für die Elektrobranche ist der Ausbau der Windenergie nicht nur wegen der eigentlichen Windenergieanlagen interessant.

Jede zusätzliche Erzeugungsanlage muss letztlich in das elektrische Energiesystem integriert werden. Dazu gehören beispielsweise Umspannwerke, Schaltanlagen, Transformatoren, Leitungen, Schutztechnik, Messsysteme und Netzautomatisierung.

Je stärker die Stromerzeugung dezentralisiert wird, desto wichtiger wird deshalb der Ausbau der elektrischen Infrastruktur.


4. Unser Stromnetz bekommt völlig neue Aufgaben

Über Jahrzehnte war die Richtung im Stromnetz relativ eindeutig.

Große Kraftwerke erzeugten elektrische Energie. Über Höchst- und Hochspannungsnetze wurde diese Energie verteilt und anschließend über Mittel- und Niederspannungsnetze bis zum Verbraucher transportiert.

Dieses Prinzip verändert sich zunehmend.

Heute speisen Millionen kleinere und größere Anlagen dezentral Energie ein. Gleichzeitig entstehen neue leistungsstarke Verbraucher.

Ein typisches Wohngebiet kann heute beispielsweise enthalten:

PV-Anlagen → Batteriespeicher → Wärmepumpen → Wallboxen → Smart Meter → Energiemanagement.

Dadurch können sich Leistungsflüsse innerhalb eines Tages mehrfach verändern.

Mittags speisen zahlreiche Photovoltaikanlagen Energie ein. Abends kommen Bewohner nach Hause, laden Elektroautos und betreiben Wärmepumpen. Batteriespeicher werden geladen oder entladen.

Für Netzbetreiber wird es deshalb wichtiger zu wissen, was im Netz tatsächlich passiert.

Genau hier treffen Smart Meter, § 14a EnWG und moderne Netzautomatisierung aufeinander.

Auch der VDE beschäftigt sich intensiv mit diesen Veränderungen. Auf einer Fachtagung zur Netzregelung und Systemführung am 15. und 16. September standen unter anderem die Integration stromrichterbasierter Anlagen, Spannungshaltung, Frequenzstützung und Leistungsflussumkehr in Verteilnetzen im Mittelpunkt.

Für Elektrofachkräfte ist das ein gutes Beispiel dafür, wie stark sich die Branche verändert.

Der Elektriker der Zukunft installiert nicht zwangsläufig nur Steckdosen, Beleuchtungsanlagen und Unterverteilungen. Energietechnik, Kommunikation und Automatisierung wachsen immer stärker zusammen.


5. Elektroautos könnten zum Bestandteil des Stromnetzes werden

Eine weitere interessante Entwicklung betrifft Elektrofahrzeuge.

Der VDE hat am 10. September noch einmal auf die Bedeutung des bidirektionalen Ladens hingewiesen. Dabei wird ein Elektroauto nicht ausschließlich geladen, sondern kann elektrische Energie aus seiner Batterie bei Bedarf auch wieder abgeben.

Dahinter stehen unterschiedliche Konzepte.

Bei Vehicle-to-Home (V2H) kann das Fahrzeug beispielsweise Energie für das eigene Gebäude bereitstellen.

Bei Vehicle-to-Grid (V2G) könnte die Batterie des Fahrzeugs perspektivisch sogar für Dienstleistungen im öffentlichen Stromnetz genutzt werden.

Das Potenzial ist enorm.

Ein Elektroauto besitzt häufig eine Batterie mit mehreren Dutzend Kilowattstunden Kapazität. Stehen zukünftig Millionen Elektrofahrzeuge viele Stunden täglich ungenutzt auf Parkplätzen oder in Garagen, entsteht theoretisch ein riesiger dezentraler Batteriespeicher.

Die technische Umsetzung ist allerdings deutlich komplizierter, als einfach Strom zurück durch eine Wallbox fließen zu lassen.

Benötigt werden unter anderem kompatible Fahrzeuge, geeignete Ladeeinrichtungen, Kommunikationsstandards, Messkonzepte, Energiemanagement und entsprechende regulatorische Rahmenbedingungen.

Der VDE untersucht die Integration von Elektrofahrzeugen in das Energiesystem aktuell in Forschungsprojekten und bezeichnet bidirektionales Laden und intelligent vernetzte Fahrzeuge als wichtige Technologie für die Energiewende.

Wallboxen werden damit immer intelligenter

Auch hier zeigt sich wieder ein Trend, der für Elektroinstallateure interessant ist.

Die klassische Wallbox nach dem Prinzip:

Leitung → Schutzorgane → Wallbox → Fahrzeug

wird zunehmend um Kommunikation und Steuerung erweitert.

Zukünftig könnten Ladepunkte beispielsweise abhängig von PV-Erzeugung, Hausverbrauch, Batteriespeicher, Strompreis oder Netzzustand automatisch ihre Leistung verändern.

Das macht die Planung komplexer – eröffnet Elektrofachbetrieben aber gleichzeitig neue Geschäftsfelder.


6. Photovoltaik: Gewerkeübergreifende Zusammenarbeit wird wichtiger

Photovoltaikanlagen sind längst kein reines Elektrikerthema mehr.

Bei einer typischen Dachanlage treffen mehrere Gewerke aufeinander.

Dachdecker oder Zimmerer beschäftigen sich mit Dach und Konstruktion. Elektrofachkräfte kümmern sich um elektrische Anschlüsse, Schutzmaßnahmen, Wechselrichter, Netzanschluss und Messkonzept.

Bei größeren Projekten können weitere Gewerke hinzukommen.

Genau deshalb existiert seit 2024 eine Vereinbarung zur gewerkeübergreifenden Zusammenarbeit bei der Errichtung von Photovoltaikanlagen.

Diese Vereinbarung wurde zum 1. September 2026 erweitert und neu gefasst. Neu einbezogen wurden unter anderem Metallbauer sowie Zimmerer und Holzbauer. Auch das Installateur- und Heizungsbauerhandwerk wurde stärker berücksichtigt.

Das Ziel sind klarere Zuständigkeiten, abgestimmte Qualifikationen und verbindlichere Arbeitsabläufe.

Das Thema ist wichtiger, als es zunächst klingt.

Denn beim PV-Boom verschwimmen die Grenzen zwischen einzelnen Gewerken schnell. Trotzdem dürfen elektrotechnische Arbeiten nicht einfach von beliebigen Personen durchgeführt werden.

Gerade Arbeiten an Wechselrichtern, Verteilungen, Schutzorganen und Netzanschlüssen benötigen entsprechende elektrotechnische Qualifikation.

Eine sauber organisierte Zusammenarbeit zwischen Dachdecker, Zimmerer, SHK-Betrieb und Elektrofachbetrieb kann deshalb helfen, Projekte schneller umzusetzen, ohne Verantwortlichkeiten durcheinanderzubringen.


7. Strompreise bleiben ein Thema für die Elektrobranche

Auch die Stromkosten waren in dieser Woche wieder Thema.

Sieben Verbände – darunter der ZVEH – haben sich in einem Schreiben an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gegen Überlegungen zu einer weiteren Erhöhung der Stromsteuer ausgesprochen. Beteiligt waren unter anderem ZVEH, ZVEI, BDEW, VKU und der Bundesverband Wärmepumpe.

Warum ist der Strompreis für das Elektrohandwerk so wichtig?

Weil ein großer Teil der Energiewende auf Elektrifizierung basiert.

Ein Verbrenner wird durch ein Elektroauto ersetzt.

Eine Öl- oder Gasheizung wird durch eine Wärmepumpe ergänzt oder ersetzt.

Fossile Prozesse in Industrie und Gewerbe werden elektrifiziert.

Damit wird der Preis elektrischer Energie zu einem entscheidenden Faktor dafür, wie attraktiv solche Technologien wirtschaftlich sind.

Für Elektrofachbetriebe ist das unmittelbar relevant.

Je stärker Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur, Photovoltaik, Batteriespeicher und Energiemanagement nachgefragt werden, desto größer wird der Markt für Planung, Installation und Wartung dieser Systeme.


8. Digitalisierung erreicht auch die Angebotskalkulation im Elektrohandwerk

Digitalisierung findet nicht nur in der technischen Anlage statt.

Auch die Büroarbeit eines Elektrofachbetriebes verändert sich.

Ein aktuelles Beispiel ist die Plattform electrofy, an der die e-handwerkliche Organisation beteiligt ist. Anfang September wurde dort ein neuer Ausschreibungsassistent vorgestellt.

Das System kann Ausschreibungen als GAEB- oder PDF-Datei einlesen und daraus kalkulationsfähige Daten erzeugen.

Gerade die Bearbeitung größerer Leistungsverzeichnisse kann für Betriebe einen erheblichen Zeitaufwand verursachen.

Positionen müssen geprüft, Materialien zugeordnet und Preise kalkuliert werden. Digitale Systeme und zunehmend auch KI-gestützte Anwendungen könnten hier einen erheblichen Teil der Vorarbeit übernehmen.

Das bedeutet nicht, dass die fachliche Prüfung verschwindet.

Im Gegenteil: Je stärker Prozesse automatisiert werden, desto wichtiger wird es, dass ein Fachmann das Ergebnis beurteilt.

Ein System kann beispielsweise Positionen aus einem Leistungsverzeichnis erkennen und strukturieren. Ob eine Leistung technisch sinnvoll beschrieben wurde, ob Materialmengen realistisch sind oder ob wichtige Leistungen fehlen, muss weiterhin fachlich bewertet werden.

Trotzdem dürfte die Entwicklung dazu führen, dass Elektrofachbetriebe zukünftig deutlich mehr Büroprozesse automatisieren können.


9. KI wird auch vor dem Elektrohandwerk nicht Halt machen

Der Ausschreibungsassistent ist dabei vermutlich erst der Anfang.

KI-Systeme könnten zukünftig beispielsweise bei folgenden Aufgaben unterstützen:

Planung von Stromkreisen, Erstellung von Materiallisten, Auswertung von Ausschreibungen, Dokumentation von Prüfungen, Angebotserstellung, Fehlersuche, Auswertung von Messdaten oder Erstellung von Wartungsberichten.

Ein interessantes Szenario wäre beispielsweise die automatische Auswertung einer elektrischen Anlage.

Messgeräte liefern Daten zu Isolation, Schleifenimpedanz, RCD-Auslösezeiten und weiteren Messgrößen. Eine Software könnte daraus automatisch Prüfprotokolle erstellen und ungewöhnliche Werte markieren.

Der entscheidende Punkt bleibt jedoch:

KI kann Fachwissen unterstützen – sie ersetzt nicht die Verantwortung der Elektrofachkraft.

Gerade bei sicherheitsrelevanten Anlagen müssen Messergebnisse, Schutzmaßnahmen und technische Entscheidungen nachvollziehbar und fachlich korrekt bewertet werden.


10. Wie geht es dem Elektrohandwerk wirtschaftlich?

Neben all den technischen Entwicklungen bleibt natürlich eine entscheidende Frage:

Wie ist eigentlich die Stimmung in den Elektrofachbetrieben?

Der ZVEH startet dazu am 21. September seine Herbstkonjunkturumfrage 2026.

Dabei werden unter anderem die wirtschaftliche Situation der vergangenen sechs Monate, Auftragsvolumen, Beschäftigtenzahlen und offene Stellen betrachtet.

Die Ergebnisse werden interessant.

Denn das Elektrohandwerk befindet sich momentan in einer besonderen Situation.

Auf der einen Seite schwächelt die Baukonjunktur in verschiedenen Bereichen. Auf der anderen Seite entstehen durch Energiewende und Digitalisierung enorme neue Aufgaben.

Photovoltaik, Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen, Batteriespeicher, Smart Meter, Netzmodernisierung, Gebäudeautomation und erneuerbare Energien benötigen Elektrofachkräfte.

Damit verschiebt sich möglicherweise auch die Struktur der Aufträge.

Während der klassische Neubau schwächeln kann, entstehen gleichzeitig neue Märkte rund um die Modernisierung bestehender Gebäude und Energieanlagen.


Das Elektrohandwerk wird zum Schlüsselgewerk

Schaut man sich die Meldungen dieser Woche gemeinsam an, lässt sich ein ziemlich klarer Trend erkennen.

Die Energiewende ist zunehmend eine Elektrifizierungs- und Infrastrukturaufgabe.

Neue PV-Anlagen benötigen Wechselrichter, Schutztechnik und Netzanschlüsse.

Neue Wärmepumpen benötigen elektrische Leistung.

Neue Elektroautos benötigen Ladepunkte.

Neue Ladepunkte und Wärmepumpen erhöhen die Anforderungen an das Niederspannungsnetz.

Damit diese Verbraucher intelligent gesteuert werden können, werden Smart Meter und Kommunikationstechnik benötigt.

Gleichzeitig müssen Verteilnetze verstärkt, digitalisiert und automatisiert werden.

Das Elektrohandwerk steht damit ziemlich genau in der Mitte dieser Entwicklung.

Und aus einem klassischen Gebäude mit Hausanschluss, Zähler, Unterverteilung und einigen Stromkreisen wird zunehmend ein komplexes Energiesystem.

Eine moderne Elektroinstallation könnte zukünftig beispielsweise so aussehen:

Netzanschluss → intelligentes Messsystem → Energiemanagement → PV-Anlage → Batteriespeicher → Wärmepumpe → Wallbox → Smart Home.

Alle Komponenten kommunizieren miteinander und reagieren teilweise automatisch auf Strompreise, Eigenverbrauch und Netzzustand.

Für Elektrofachkräfte bedeutet das allerdings auch: Weiterbildung wird immer wichtiger.

Kenntnisse über die klassische Elektroinstallation bleiben die Grundlage. Hinzu kommen jedoch immer mehr Themen aus Netzwerktechnik, Kommunikation, Energiemanagement, Photovoltaik, Speichertechnik und Ladeinfrastruktur.


Ausblick: Das wird in den kommenden Wochen interessant

Einige Themen werden uns wahrscheinlich auch in den nächsten Ausgaben des ElektrikerWissen Weekly begleiten.

Besonders interessant bleibt der Smart-Meter-Rollout. Mit aktuell 5,9 Prozent aller gemeldeten Messlokationen ist Deutschland noch weit von einer flächendeckenden Ausstattung entfernt. Gleichzeitig steigt der Druck auf Messstellenbetreiber, die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen.

Auch bei Photovoltaik bleibt Bewegung im Markt. Für den 1. Oktober 2026 steht beispielsweise der nächste Gebotstermin für Solaranlagen des zweiten Segments an. Die Bundesnetzagentur hat dafür aktuell ein Ausschreibungsvolumen von rund 296 MW und einen Höchstwert von 10 Cent/kWh veröffentlicht.

Bei der Windenergie folgt die nächste Ausschreibungsrunde bereits am 1. November 2026.

Parallel dazu dürfte die Verbindung zwischen Elektromobilität und Stromnetz spannender werden. Besonders das bidirektionale Laden könnte aus einer Wallbox langfristig weit mehr machen als nur einen leistungsstarken Anschluss zum Laden eines Autos.


Fazit des ElektrikerWissen Weekly KW38/2026

Die Nachrichten dieser Woche zeigen einmal mehr, wie breit die Elektrotechnik inzwischen aufgestellt ist.

Smart Meter werden ausgerollt. Wind- und Solarenergie werden weiter ausgebaut. Elektroautos sollen perspektivisch selbst Bestandteil des Energiesystems werden. Photovoltaikanlagen erfordern eine immer engere Zusammenarbeit verschiedener Gewerke und selbst die Angebotskalkulation im Elektrofachbetrieb wird zunehmend digitalisiert.

Für Elektriker bedeutet das vor allem eines:

Das Berufsbild wird nicht kleiner – sondern größer.

Die klassische Elektroinstallation bleibt die Grundlage. Gleichzeitig entstehen rund um Energieerzeugung, Speicherung, Ladeinfrastruktur, Messwesen, Kommunikation und Automatisierung immer neue Aufgaben.

Genau diese Entwicklung wollen wir im ElektrikerWissen Weekly begleiten.

Jede Woche schauen wir auf interessante Meldungen, technische Entwicklungen, neue Vorschriften und Trends aus Elektrotechnik, Elektrohandwerk und Energietechnik.

Welche Entwicklung beschäftigt euch aktuell im Arbeitsalltag am meisten – Smart Meter, § 14a EnWG, PV-Anlagen, Wärmepumpen oder Ladeinfrastruktur?

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