An unter Spannung stehenden aktiven Teilen und Betriebsmitteln darf, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht gearbeitet werden. Um Risiken und Gefahren eines Stromunfalls zu minimieren, müssen die fünf Sicherheitsregeln in der vorgegebenen Reihenfolge eingehalten werden. Diese sind sowohl zur Herstellung des spannungsfreien Zustands als auch zum Erhalt des spannungsfreien Zustands für die gesamte Dauer der Arbeiten an der elektrischen Anlage umzusetzen.
Die fünf Sicherheitsregeln
- Freischalten
- Gegen Wiedereinschalten sichern
- Spannungsfreiheit feststellen
- Erden und Kurzschließen
- Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken
Spannungsfreiheit feststellen
Das Feststellen der Spannungsfreiheit wird in DIN VDE 0105-100 ausführlich beschrieben. Streng genommen gehört das Feststellen der Spannungsfreiheit, bei dem Spannungsprüfer oder Prüfspitzen an blanke unter Spannung stehende Teile herangeführt werden, zum Arbeiten unter Spannung (AuS). In der DGUV Regel 103-011 wird diese Tätigkeit jedoch vom AuS ausgenommen.
Vor dem Beginn jeder Arbeit muss die Spannungsfreiheit so nah wie möglich an der Arbeitsstelle festgestellt werden. Das Prüfen auf Spannungsfreiheit muss Allpolig erfolgen. Nach VDE 0105-100 sind hierfür im Niederspannungsbereich ausschließlich zweipolige Spannungsprüfer nach VDE 0682-401 einzusetzen.
Das Feststellen der Spannungsfreiheit darf ausschließlich durch durch eine Elekttrofachkraft oder eine elektrotechnisch unterwiesene Person erfolgen.
- Geeignet für Elektrotechnik, Industrie, Instandhaltung, Service (Fehlersuche), Photovoltaik-/ Windkraftanlagen und Hybrid-Fahrzeugtechnik
- Spannungsmessbereich 1 V - 1000 V AC/ 1200 V DC / Spannungsanzeige ab 50 V auch bei leeren Batterien
Anforderungen an einen zweipoligen Spannungsprüfer
Die DIN VDE 0682-401 (IEC 61243-3) beschreibt die Anforderungen an handgehaltene zweipolige Spannungsprüfer für die Verwendung in elektrischen Anlagen
- für Wechselspannungen bis 1 000 V mit Nennfrequenzen von 16 2/3 Hz bis 500 Hz;
und / oder
- für Gleichspannungen bis 1 500 V.
Zweipolige Spannungsprüfer bestehen aus bestehend aus einem Anzeigeteil, Verbindungsleitungen und Handhaben. Spannungsprüfer nach dieser Norm sind keine Messgeräte.
Wichtige Eigenschaften von zweipoligen Spannungsprüfern
✅ Eindeutige Anzeige des Zustandes „Spannung vorhanden“ durch Änderung des Anzeigezustandes
✅ Die Anzeige muss eine optische Sichtanzeige sein
✅ Eine akustische Anzeige ist optional und nur zusätzlich zur optischen Anzeige
✅ Sichtanzeigen können sein: Wechsel des Leuchtzustandes von LED(s), Bewegung einer Nadel oder anderer, vom Strom aktivierter Bauteile usw.
✅ Die Anzeige diskreter Spannungswerte über ein Display ist nicht ausreichend. Ein solches Display darf nur eine Zusatzfunktion sein
✅ Es darf nicht möglich sein, das Gehäuse zu öffnen oder zu zerlegen
✅ Das Vorhandensein gefährlicher Spannungen (>50V AC / 120 V DC) muss batteriespannungsunabhängig angezeigt werden.
Spannungsfreiheit an Kabeln feststellen
Wenn freigeschaltete Kabel an der Arbeitsstelle nicht eindeutig zugeordnet werden können, sind andere bewährte Sicherheitsmaßnahmen anzuwenden. Nach DIN VDE 0105-100 sind beispielsweise die Anwendung geeigneter Kabelschneid- oder Kabelbeschussgeräte vorzusehen. Zu beachten ist auch, dass hierbei im Anschluss Rücksprache mit der Leitwarte zu halten ist, ob entsprechende Anlagenteile noch Spannung führen.
- Der Spannungsmesser deckt den relevanten Spannungsbereich für die Arbeiten eines Elektrikers ab und erhöht somit die Flexibilität
- Der zweipolige Spannungsprüfer vereinfacht Ihre Arbeit: Große LCD-Anzeige mit Hintergrundbeleuchtung, LED-Skala und Signalton für einfach ablesbare...
Spannungsfreiheit feststellen mit dem Multimeter?
In früheren Normen war auch ein Vielfachmessgerät (Multimeter) zum Feststellen der Spannungsfreiheit zugelassen. Dies ist heute aus gutem Grund nicht mehr zulässig. Ein Multimeter* erfüllt einige der oben genannten Anforderungen zum Feststellen der Spannungsfreiheit nicht. In der Vergangenheit kam es vermehrt zu schweren und teils tödlichen Arbeitsunfällen durch die Verwendung von Multimetern*. Häufige Ursachen waren ein falsch gewählter Messbereich oder ein Spannungsüberschlag im Messgerät.
Von den Gefahren eines Unfalls abgesehen, kann ein Multimeter nicht zuverlässig das vorhandensein einer gefährlichen Spannung anzeigen. Die Abhängigkeit von einer Batteriespannung spricht ebenfalls gegen die Verwendung eines Multimeters zum Feststellen der Spannungsfreiheit. Auch fordert die Norm, dass die Anzeige einer gefährlichen Spannung gut sichtbar an einem der Handhaben erfolgt, was bei einem Multimeter nicht möglich ist.
Fazit: Spannungsfreiheit Feststellen nur mit zweipoligem Spannungsprüfer
Das Feststellen der Spannungsfreiheit beim Arbeiten an elektrischen Anlagen ist unerlässlich. Um die Spannungsfreiheit zuverlässig festzustellen und sicher zu arbeiten, ist ein zweipoliger Spannungsprüfer das Mittel der Wahl. So wie ein zweipoliger Spannungsprüfer nicht zum Messen der exakten Spannungshöhe dient, sollte ein Multimeter niemals zum Feststellen der Spannungsfreiheit genutzt werden.
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