Heizkörperthermostate

Smarte Heizkörperthermostate – Was bringen sie wirklich?

Smarte Heizkörperthermostate versprechen mehr Komfort und gleichzeitig niedrigere Heizkosten. Die Raumtemperatur lässt sich automatisch regeln, Zeitprogramme sorgen morgens für ein warmes Badezimmer und beim Lüften kann die Heizung automatisch heruntergeregelt werden. Einige Hersteller werben sogar mit erheblichen Energieeinsparungen.

Doch wie viel bringen smarte Heizkörperthermostate tatsächlich? Lassen sich damit wirklich Heizkosten sparen oder handelt es sich hauptsächlich um ein Komfortprodukt?

Ich nutze selbst bereits seit 2018 smarte Heizkörperthermostate. Angefangen habe ich mit dem eQ-3 MAX!-System, seit 2021 kommt bei mir Homematic IP zum Einsatz. Dadurch konnte ich über mehrere Jahre Erfahrungen mit automatisierter Einzelraumregelung, Zeitprogrammen, Fensterkontakten und externen Raumthermostaten sammeln.

In diesem Artikel schauen wir uns deshalb nicht nur die theoretischen Vorteile smarter Heizkörperthermostate an, sondern auch die Frage, unter welchen Bedingungen sie tatsächlich Energie sparen können.

Was ist ein smartes Heizkörperthermostat?

An nahezu jedem klassischen Heizkörper befindet sich ein Thermostatventil. Der bekannte Thermostatkopf mit den Stufen 1 bis 5 erfasst die Temperatur in seiner Umgebung und beeinflusst über das Heizkörperventil den Durchfluss des Heizwassers.

Ein häufiges Missverständnis: Die Stufe 5 bedeutet nicht, dass der Heizkörper grundsätzlich schneller heizt. Stattdessen wird mit der Stufe eine höhere gewünschte Raumtemperatur vorgegeben. Ist diese erreicht, reduziert beziehungsweise schließt das Thermostatventil den Durchfluss.

Ein smartes Heizkörperthermostat übernimmt grundsätzlich dieselbe Aufgabe. Statt eines rein mechanischen Thermostatkopfes sitzt auf dem Heizkörperventil jedoch ein elektronisch gesteuerter Antrieb. Dadurch lässt sich beispielsweise direkt die gewünschte Temperatur von 20 °C einstellen. Ein kleiner Motor bewegt das Heizkörperventil automatisch.

Der eigentliche Vorteil entsteht jedoch durch die Elektronik und Vernetzung. Je nach System können:

  • individuelle Zeitpläne erstellt,
  • Temperaturen automatisch verändert,
  • mehrere Heizkörper eines Raumes gemeinsam gesteuert,
  • Fensterkontakte eingebunden,
  • externe Temperatursensoren verwendet,
  • Abwesenheiten berücksichtigt
  • und Räume per Smartphone gesteuert werden.
  • Steuerung der Heizung von Unterwegs, z.b. über App und Verbindung zur FritzBox

Damit wird aus dem einfachen Heizkörperventil eine automatische Einzelraumregelung.

Wie funktioniert die Regelung?

Im Heizkörper befindet sich Heizungswasser. Wie viel davon durch den Heizkörper strömt, wird über das Heizkörperventil beeinflusst. Bei einem klassischen Thermostat erfolgt die Regelung mechanisch. Bei einem smarten Heizkörperthermostat übernimmt ein elektrisch betriebener Stellantrieb diese Aufgabe.

Ist die gemessene Raumtemperatur niedriger als der eingestellte Sollwert, öffnet das Thermostat das Ventil entsprechend. Nähert sich die Raumtemperatur dem Sollwert, wird der Durchfluss wieder reduziert.

Der große Unterschied besteht darin, dass sich der Sollwert automatisch verändern lässt. Morgens können beispielsweise 21 °C eingestellt sein, während der Arbeitszeit nur 17 °C und am Abend wieder 21 °C.

Genau darin steckt das eigentliche Einsparpotenzial. Nicht die Tatsache, dass ein Thermostat „smart“ ist, spart automatisch Energie. Entscheidend ist, dass Räume nur dann auf Komforttemperatur gehalten werden, wenn diese Wärme tatsächlich benötigt wird. Außerdem kann eine exakte Temperatur eingestellt werden, auch bei Abwesenheit. Statt die Heizung grundsätzlich auf 1 zu lassen stellt man nur die gewünschte Temperatur (z.B. 17°C) ein und das smarte Thermostat hält diese Temperatur automatisch.

Was bringen smarte Heizkörperthermostate?

Smarte Heizkörperthermostate bieten im Wesentlichen zwei Vorteile:

Energieeinsparung: Die Temperatur kann automatisch abgesenkt werden, wenn ein Raum nicht genutzt wird. Durch eine konstante Temperatur kühlt der Raum nicht aus und muss nicht mehr so stark aufgeheizt werden, wenn man nachhause kommt. Das spart Energie.

Komfort: Du musst nicht ständig selbst an den Thermostaten drehen. Räume können automatisch genau dann beheizt werden, wenn du sie benötigst. Bist du täglich von 7 bis 17 Uhr aus dem Haus, kannst du den Zeitplan so einstellen, dass die Heizung in dieser Zeit runter regelt. Außerdem können die Thermostate mit Fensterkontakten gekoppelt werden. Öffnet man ein Fenster zum Lüften, schaltet die Heizung automatisch aus und heizt nicht gegen die kalte Luft von draußen.

Ein Beispiel: In der Nacht hast du eine konstante Temperatur von 17°C in deiner Wohnung eingestellt. Du stehst jeden Morgen um 6 Uhr auf und gehst duschen. Dann würde ich das Thermostat im Bad so einstellen, dass es um 6 Uhr die gewünschte Temperatur zum Duschen hat, z.b. 21°C. Öffnest du nach dem Duschen das Fenster, geht die Heizung aus. Während du Frühstückst und dich fertig machst, ist die Heizung in den benötigten Räumen auf einer gewünschten Temperatur, z.b. 20°C. Verlässt du um 7 Uhr das Haus, kannst du die Heizung auf die Mindesttemperatur senken. Ich würde bereits kurz vorher, z.b. 6:45 einstellen. Ab dann wird die Wohnung nur auf das Minimum von z.b. 17°C geheizt. Kommst du um 17 Uhr nachhause, wird die Wohnung bereits kurz davor aufgeheizt, damit es wieder die gewünschte Temperatur hat wenn du nachhause kommst.

Wie viel Energie lässt sich wirklich sparen?

Bei der Werbung für smarte Heizkörperthermostate finden sich teilweise hohe Einsparversprechen. Entscheidend ist allerdings immer, womit verglichen wird.

Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat sich mit dem Einsparpotenzial intelligenter Heizungsregelungen beschäftigt. In Untersuchungen lagen die erschließbaren Heizenergieeinsparpotenziale durch intelligente Regelungen typischerweise bei etwa 15 Prozent. Unter bestimmten Bedingungen und bei Kombination mehrerer Funktionen waren auch deutlich höhere Werte möglich.

Solche Zahlen dürfen allerdings nicht als pauschales Versprechen verstanden werden. Ob ein Haushalt 5, 10 oder 15 Prozent spart, hängt stark vom Gebäude und insbesondere von deinem bisherigen Heizverhalten ab.

Wer bislang während der Arbeitszeit 22 °C in der leeren Wohnung hält, beim Lüften die Heizkörper nicht herunterdreht und nachts keine Absenkung nutzt, besitzt ein vergleichsweise großes Einsparpotenzial.

Wer bereits sehr diszipliniert heizt, wird durch smarte Thermostate dagegen möglicherweise nur wenig zusätzliche Energie einsparen.

Warum spart eine niedrigere Raumtemperatur Energie?

Je größer die Temperaturdifferenz zwischen Innenraum und Außenluft ist, desto größer sind grundsätzlich auch die Wärmeverluste eines Gebäudes. Deshalb reduziert eine niedrigere Raumtemperatur den Heizenergiebedarf. Als Faustregel gilt: Jedes Grad weniger Raumtemperatur, heißt sechs Prozent weniger Heizenergie.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Wohnung möglichst kalt sein sollte. Neben dem persönlichen Komfort müssen auch Feuchtigkeit und Schimmelbildung berücksichtigt werden. Der Vorteil der automatischen Regelung besteht vielmehr darin, die Temperatur zeitlich an den tatsächlichen Bedarf anzupassen.

Das Wohnzimmer muss beispielsweise nicht den gesamten Arbeitstag auf 21 °C gehalten werden, wenn niemand zu Hause ist.

Individuelle Heizpläne sind der größte Vorteil

Für mich gehören Zeitprogramme zu den wichtigsten Funktionen smarter Heizkörperthermostate. Für jeden Raum lässt sich festlegen, welche Temperatur zu welcher Uhrzeit gelten soll.

Ein vereinfachtes Beispiel für ein Badezimmer:

05:30–07:30 Uhr: 22 °C
07:30–17:00 Uhr: 17 °C
17:00–22:00 Uhr: 21 °C
22:00–05:30 Uhr: 17 °C

Damit wird nicht rund um die Uhr dieselbe Temperatur gehalten. Bei einem herkömmlichen Thermostat müsste man morgens, beim Verlassen des Hauses, nach der Rückkehr und vor dem Schlafengehen jedes Mal selbst die Einstellung verändern.

Theoretisch wäre das problemlos möglich. In der Praxis wird es jedoch schnell vergessen. Das smarte Thermostat führt den einmal festgelegten Heizplan dagegen jeden Tag automatisch aus.

Besonders interessant wird das bei mehreren Räumen. Badezimmer, Schlafzimmer, Wohnzimmer und Arbeitszimmer werden schließlich häufig zu völlig unterschiedlichen Zeiten genutzt.

Morgens warm – nachts trotzdem abgesenkt

Eine Temperaturabsenkung hat einen offensichtlichen Nachteil: Der Raum muss anschließend wieder aufgeheizt werden. Genau hier bietet die Automatisierung einen großen Komfortvorteil.

Das Badezimmer kann beispielsweise während der Nacht mit niedrigerer Solltemperatur betrieben werden. Bereits vor dem Aufstehen wird die Solltemperatur automatisch erhöht. Beim Betreten des Badezimmers ist es dann trotzdem angenehm warm. Der Nutzer muss sich also nicht morgens in einen kalten Raum stellen und anschließend auf das Aufheizen warten.

Je nach System gibt es zudem Funktionen, mit denen der Aufheizbeginn automatisch an die gewünschte Zieltemperatur angepasst werden kann.

Fenster-auf-Erkennung: Nicht zum Fenster hinaus heizen

Ein weiterer Vorteil smarter Heizkörperthermostate ist die Erkennung geöffneter Fenster. Wird im Winter ein Fenster geöffnet, fällt die Temperatur im Raum schnell ab. Bei klassischen Thermostaten, wird die Heizung sehr schnell maximal aufheizen um gegen die kalte Außenluft anzuheizen.  Viele elektronische Thermostate erkennen deshalb einen schnellen Temperaturabfall und schließen daraufhin für eine bestimmte Zeit das Ventil.

Noch zuverlässiger funktioniert die Steuerung über einen separaten Fensterkontakt. Dieser erkennt direkt:

Fenster geöffnet → Heizung absenken.

Fenster geschlossen → normalen Heizbetrieb fortsetzen.

Ich nutze diese Lösung selbst und halte sie für besonders praktisch. Beim Lüften muss nicht mehr daran gedacht werden, vorher sämtliche Thermostate herunterzudrehen.

Externe Wandthermostate verbessern die Temperaturmessung

Ein Problem direkt am Heizkörper montierter Thermostate ist der Messort. Der Temperatursensor befindet sich unmittelbar am Heizkörper. Dort können andere Temperaturbedingungen herrschen als beispielsweise in der Mitte des Raumes. Besonders problematisch kann dies sein, wenn der Heizkörper durch Möbel oder Vorhänge verdeckt wird oder sich in einer tiefen Nische befindet. Das Thermostat misst dann möglicherweise eine höhere Temperatur, obwohl es an anderer Stelle im Raum noch deutlich kühler ist.

Eine Lösung sind externe Raum- beziehungsweise Wandthermostate. Der Temperatursensor wird an einer repräsentativeren Position im Raum angebracht. Das Heizkörperthermostat übernimmt dann hauptsächlich die Funktion des Stellantriebs.

Ich nutze solche Wandthermostate selbst in einigen Räumen und halte diese Lösung insbesondere bei mehreren Heizkörpern in einem Raum für sinnvoll.

Mehrere Heizkörper gemeinsam steuern

In größeren Räumen befinden sich häufig zwei oder mehr Heizkörper. Bei kompatiblen Smart-Home-Systemen können mehrere Thermostate zu einem gemeinsamen Raum zusammengefasst werden. Statt jeden Heizkörper einzeln einzustellen, wird beispielsweise für das gesamte Wohnzimmer eine Solltemperatur von 21 °C vorgegeben.

In Verbindung mit einem zentralen Wandthermostat lässt sich damit eine komfortable Raumregelung aufbauen. Das Wandthermostat erfasst die Temperatur an einer geeigneten Stelle, während die Heizkörperthermostate entsprechend angesteuert werden.

Steuerung per Smartphone

Eine der bekanntesten Funktionen smarter Thermostate ist die Bedienung per Smartphone. Dadurch lassen sich die Temperaturen sämtlicher Räume zentral anzeigen und verändern. Das ist zunächst hauptsächlich ein Komfortgewinn. Interessant wird die Funktion aber beispielsweise dann, wenn sich der Tagesablauf kurzfristig verändert.

Kommt man mehrere Stunden später nach Hause, kann die Komforttemperatur entsprechend später aktiviert werden. Umgekehrt lässt sich die Wohnung vor einer ungeplanten früheren Rückkehr bereits wieder aufheizen.

Die reine Smartphone-Steuerung spart allerdings noch keine Energie. Entscheidend ist auch hier, wie die Funktion tatsächlich genutzt wird.

Kann der Verbrauch durch smarte Heizkörperthermostate sogar steigen?

Ja – und genau das ist mir selbst passiert.

Nachdem ich 2018 elektronische Heizkörperthermostate installiert hatte, ist unser Energieverbrauch zunächst gestiegen. Natürlich spielen auch unterschiedliche Winter eine Rolle, je kälter ein Winter war, desto höher war auch der Verbrauch.

Mit der Zeit konnte ich die einzelnen Heizprogramme aber weiter optimieren. Man braucht eine Weile bis man versteht, welche Temperaturen man wirklich benötigt, wie viel Vorlauf ich brauche damit ein Raum warm ist wenn ich aufstehe. Nicht zuletzt muss natürlich auch der Komfortgewinn betrachtet werden.

Früher stand man auf und das Bad war ausgekühlt. Wenn man direkt duschen geht lohnt es sich natürlich nicht die Heizung noch einzuschalten und es ist eben eher kalt. Einen gewissen Mehrverbrauch nehme ich daher in Kauf, da ich nun den Komfort genieße. Die Heizung geht nun schon eine Weile vor dem Aufstehen an und ich kann in einem warmen Bad duschen und mich fertig machen. Das hat den Heizbedarf im Bad tatsächlich gesteigert. Dafür muss man nicht mehr frieren – hier hätten andere wahrscheinlich früher die Heizung die ganze Nacht auf 1 oder 2 gelassen.

Im Rest der Wohnung ist unser Heizverbrauch deutlich gesunken. Und das bei gleichzeitig gestiegenem Komfort. Wie kann das sein? Ganz einfach: Früher hat man die Heizung morgens auf 1 oder Frostschutz gestellt. Kam man nachhause hat man diese weil es so kalt war voll aufgedreht bis es angenehm warm war. Oft ließ man sie danach so oder nur minimal niedriger. Außerdem braucht eine ausgekühlte Wohnung extrem viel Energie um auf Temperatur zu kommen.

Jetzt ist die Wohnung einfach Konstant auf 18°C in allen Räumen und 24h. Dadurch muss nie stark nachgeheizt werden. Kurz bevor man heim kommt heizt dann das Wohnzimmer auf 20°C und das Bad ebenfalls etwas wärmer. Im Endeffekt haben wir damit unseren Energieverbrauch deutlich gesenkt. Trotz 10 Parteien in einem Haus benötigen wir heute nur noch 3-7% der Heizenergie.

Mehr Komfort kann die Einsparung reduzieren

Wie bereits beschrieben, bringen Smarte Heizkörperthermostate nicht nur Energieeinsparungen und neue Funktionen mit sich. Ein großer Vorteil ist auch ein enormer Komfortgewinn. Wie viel dieses Komforts man nutzen mag muss jeder selbst wissen. Ich für meinen Teil genieße es, das wir nun eine konstantere Temperatur in der Wohnung haben ohne an den Thermostaten spielen zu müssen.

Das sorgt für ein deutlich angenehmeres Wohnklima, weniger Luftfeuchtigkeit und auch einem niedrigeren Energieverbrauch.

Meine Erfahrungen seit 2018

Meine ersten smarten Heizkörperthermostate habe ich 2018 mit dem System eQ-3 MAX! installiert. Seit 2021 verwende ich Homematic IP. Dabei habe ich vor allem eines gelernt:

Die Hardware allein spart keine Energie. Entscheidend ist die Programmierung und die Nutzung. Meine ersten Heizprogramme waren rückblickend relativ großzügig eingestellt. Mit der Zeit habe ich die Zeitprofile stärker an die tatsächliche Nutzung der einzelnen Räume angepasst. Das Badezimmer wird beispielsweise nur zu den Zeiten stärker beheizt, zu denen es tatsächlich benötigt wird. Das Arbeitszimmer benötigt hauptsächlich während der Arbeitszeiten Wärme. Das Wohnzimmer dagegen überwiegend am Nachmittag und Abend. Nachts kann die Solltemperatur in vielen Räumen reduziert werden.

Durch diese raumweise Betrachtung lässt sich die Heizung wesentlich genauer an den Alltag anpassen als mit einer einheitlichen Temperatur für die gesamte Wohnung. Genau darin sehe ich inzwischen den größten Vorteil smarter Heizkörperthermostate.

 

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