Sicherungen

Aufteilung von Stromkreisen auf Fehlerstromschutzschalter (RCD)

Wie viele Stromkreise dürfen mit einem gemeinsamen Fehlerstromschutzschalter (RCD) geschützt werden? Diese Frage erhitzt regelmäßig die Gemüter unter Planern, Elektrikern und in Online-Foren. Auch mich erreichen hierzu regelmäßig Rückmeldungen, weshalb ich auf diese Frage hier kurz eingehen möchte.

Anzahl Stromkreise pro Fehlerstromschutzschalter (RCD)

Für die meisten Stromkreise ist heute ein Fehlerstromschutzschalter vorgeschrieben. Aus Kostengründen werden nach wie vor meistens mehrere Stromkreise auf Gruppen-RCDs zusammengefasst. Dabei werden mehrere Stromkreise mit Leitungsschutzschaltern* hinter einem gemeinsamen RCD betrieben. Dabei taucht jedoch immer wieder die Frage auf: Wie viele Stromkreise dürfen eigentlich hinter einen gemeinsamen RCD angeschlossen werden?

Maximal sechs Stromkreise pro RCD: DIN 18015

Die gängigstee Behauptung wenn es um die Frage Anzahl der Stromkreise pro RCD: „es dürfen maximal sechs Stromkreise pro RCD angeschlossen werden“. Doch stimmt diese Behauptung? Diese Frage kann man mit einem Jain beantworten. Die VDE macht diesbezüglich keine eindeutigen Vorgaben. Diese Aussage beruht auf der DIN 18015-1, welche zum einen nur für Wohnräume und Räume ähnlicher Nutzung Anwendung findet. Zum anderen ist diese nur eine Planungsnorm und muss nicht zwangsläufig umgesetzt werden. Wird jedoch die DIN 18015 angewendet, gilt:

  • Maximal 2 Stromkreise bei einem 2-Poligen RCD
  • Maximal 6 Stromkreise bei einem 4-Poligen RCD
  • Mindestens zwei RCDs pro Wohnung (Ausfallsicherheit)

Diese Vorgabe ist aber wie bereits erwähnt nur dann von Bedeutung, wenn man die DIN 18015 umsetzt.

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Maximale Anzahl von Stromkreisen nach VDE

Häufig erreichen mich Kommentare zu meinem Artikel „Anzahl LS-Schalter pro Fehlerstromschutzschalter (RCD)“ mit der Behauptung, dass die VDE sehr wohl Vorgaben zur mxaimalen Anzahl Stromkreise pro RCD macht. Hierbei wird sich meistens auf eine Aussage aus der DIN VDE 0100-530 bezogen. Dort gibt es jedoch im Abschnitt 531.3.2 nur folgende Festlegung:

„Um unerwünschtes Abschalten durch Schutzleiterströme und/oder Ableitströme gegen Erde zu vermeiden, darf die Summe solcher Ströme auf der Lastseite der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) nicht mehr als das 0,3-Fache des Bemessungsfehlerstroms betragen.“

Hier wird dann häufig in Verbindung gebracht, dass der Ableitstrom pro Betriebsmitel nach VDE 0701/0702 maximal 3,5mA betragen darf. Daraus wird häufig hergeleitet, dass man maximal zwei Stromkreise pro Außenleiter betreiben kann um unter den 10mA (30mA x 0,3) zu bleiben. Diese Herleitung ist jedoch fragwürdig.

Zum einen beziehen sich die 3,5mA pro Betriebsmittel (bzw. 10mA bei Heizgeräten >3,5kW) lediglich auf die Prüfung ortsveränderlicher Betriebsmittel nach VDE 0701/0702. Auch sind dies nur Grenzwerte, die weit über dem liegen was die meisten Geräte an Ableitströmen erzeugen.

Zum anderen ist es einer Elektrofachkraft gar nicht möglich vorherzusagen, welche Betriebsmittel später an einem Steckdosenstromkreis betrieben werden.

Für bestimmte Stromkreise und Betriebsmittel ist es korrekt, das man vorher festlegen muss ob diese Bedingung (maximal 0,3 x I_Δn) eingehalten wird. Es ist jedoch nicht möglich vorherzusagen, welche Betriebsmittel an Steckdosen später angeschlossen werden. Die VDE macht hierzu auch keine weiteren Angaben auf welche Stromkreise oder Betriebsmittel sich diese Aussage bezieht.

Ein Punkt der natürlich immer zu beachten ist: Vorsicherung von Fehlerstromschutzschaltern RCDs

Fazit: Maximale Anzahl Stromkreise pro RCD

Mein abschließendes Fazit dazu ist, dass es in der VDE keine klare Vorgabe zur Anzahl der Stromkreise pro Fehlerstromschutzschalter gibt. Diese Ansicht deckt sich auch mit Interpretationen in der Fachpresse. Bei fest angeschlossenen Betriebsmitteln, insbesondere im gewerblichen Bereich ist es durchaus sinnvoll auch die Ableitströme zu betrachten. Insbesondere wenn Frequenzumrichter* zum Einsatz kommen ist hier mit erhöhten Ableitströmen zu rechnen.

Für Steckdosenstromkreise wird es aber kaum möglich sein die späteren Ableitströme vorherzusagen. Es bleibt daher einzig der Elektrofachkraft überlassen, die richtige Aufteilung von Stromkreisen zu Fehlerstromschutzschaltern* vorzunehmen. Es kann durchaus Sinn machen sich an den Vorgaben der DIN 18015 zu orientieren. Je nach örtlicher Gegebenheiten spricht aber auch nichts dagegen von dieser Regelung abzuweichen. Hier sind die Erfahrung und Fachkenntnisse der Elektrofachkraft bei der Planung entscheidend.

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FAQ: Maximale Anzahl Leitungsschutzschalter pro Fehlerstromschutzschalter

❓ Wie viele Stromkreise dürfen maximal an einen RCD angeschlossen werden?

Eine bestimmte Anzahl LS-Schaler, die pro Fehlerstromschutzschalter (RCD) angeschlossen werden dürfen, existiert in den VDE-Normen nicht. Lediglich die DIN 18015 macht hierzu folgende Festlegungen:

  • Maximal zwei Stromkreise an einem zweipoligen RCD
  • Maximal sechs Stromkreise an einem vierpoligen RCD

Entscheidend bei der Aufteilung von Stromkreisen auf RCDs sind

  • Nennstrom des RCDs und die Gewährleistung des Überlastschutzes, wahlweise durch eine Vorsicherung oder die Anzahl nachgeschalteter Stromkreise (z.b. 2xB16A bei 40A RCD)
  • Nennstrom der angeschlossenen Verbraucher und Stromkreise
  • Gleichzeitigkeitsfaktor

❓ Warum sollte man nicht zu viele Stromkreise an einem RCD anschließen?

Die Frage wie viele Leitungsschutzschalter oder Stromkreise man mit einem RCD versorgt hat aber nicht nur etwas mit Normen zu tun. Vielmehr geht es dabei um die Ausfallsicherheit. Je mehr Stromkreise über einen RCD geführt werden, desto größer ist ein Ausfall, wenn es mal zu einer Auslösung des RCDs kommt. Außerdem erhöht die Anzahl der angeschlossenen Betriebsmittel die Summe der Ableitströme und führt somit schneller zu einem Auslösen des Fehlerstromschutzschalters.


❓ Wie viele Stromkreise pro Fehlerstromschutzschalter sollte ich maximal anschließen? Was hat sich in der Praxis bewährt?

Die Empfehlungen der DIN 18015 wurde ja weiter oben bereits ausgeführt. Ich persönlich würde mich immer grob an diesen Werten orientieren. Allerdings richte ich mich hier eher nach dem, was in der Anlage installiert wird. Hat man beispielsweise vier Kinder- und Schlafzimmer, dazu ggf. noch Abstellräume und Wohnzimmer, hätte ich keine Bedenken solche Räume über einen gemeinsamen RCD zu versorgen. Auch wenn hier ggf. mehr als sechs LS-Schalter zusammenkommen sehe ich die Gefahr von Fehlauslösungen eher gering.

Werden über einen RCD auch Waschmaschine, Spülmaschine, Wäschetrockner oder Durchlauferhitzer versorgt, würde ich eher weniger Stromkreise über diesen RCD anschließen.  Bei anderen Stromkreisen habe ich auch keine Bauchschmerzen mal acht LS-Schalter statt der vorgesheenen sechs anzuschließen. Es ist immer ein Abwägen aufgrund von Fachwissen und Erfahrung.

Wichtig: Es darf niemals die gesamte Anlage aufgrund eines Fehlers auslösen. Daher ist eine sinnvolle Aufteilung auf mindestens zwei RCDs notwendig.


❓ Welchen RCD brauche ich – 40A oder 63A?

Neben dem Nennfehlerstrom bei dem der RCD auslöst (Standard 30mA), ist auch der Nennstrom des RCDs bei der Auswahl zu beachten. Typische Werte für RCDs sind 16, 25, 40 oder 63A, wobei 16 und 25A eher bei zweipoligen RCDs zum Einsatz kommen. In der Praxis werden vorwiegend vierpolige RCDs mit 40A oder 63A Nennstrom verbaut. Doch welchen brauche ich nun?

Entscheidend hierbei ist der maximal zu erwartende Nennstrom. Dieser ergibt sich aus den angeschlossenen Stromkreisen und dem Gleichzeitigkeitsfaktor. Der RCD ist dabei immer so auszuwählen, das keine Überlastung auftreten kann. Es gibt zwei Möglichkeiten dies sicherzustellen:

  • Vorsicherung: Der Fehlerstromschutzschalter hat eine Vorsicherung, die maximal dem Nennstrom des RCDs entspricht. Bei einem 40A RCD also maximal eine 40A Vorsicherung. Das kann entweder die Vorsicherung des Stromkreisverteilers sein (z.b. D02/35A im Zählerschrank), oder ein seperates Neozed-Element im Stromkreisverteiler, welches den RCD-Kreis absichert.
  • Nachfolgende Leitungsschutzschalter: Eine andere Möglichkeit den RCD vor Überlast zu schützen, ist die Begrenzung der nachgeschalteten Schutzorgane. Bei einem RCD mit einem Nennstrom von 40A dürfte man maximal LS-Schalter mit einem Nennstrom von insgesamt 40A pro Außenleiter installieren. Also beispielsweise 2xB16A, 2xB20A oder 3xB10A. Wichtig: Diese Werte jeweils pro Außenleiter. Bei einem vierpoligen RCD mit 40A Nennstrom dürften also 6xB16A installiert werden. In diesem Fall ist die Vorsicherung des RCDs nur für den Kurzschlussschutz wichtig.

💡 Wichtig: Der RCD muss immer höher oder gleich dem vorgeschalteten Leitungsschutz (Sicherung oder (Selektivem-)Leitungsschutzschalter) dimensioniert sein.


❓ Ist es heute noch sinnvoll Gruppen-RCDs anstelle von FI/LS einzusetzen?

Eine Frage die immer wieder gestellt wird: Macht es heute noch Sinn Gruppen-RCDs (z.b. mehrere vierpolige RCDs pro Stromkreisverteiler) einzusetzen? In Zeiten von FI/LS-Schaltern eine berechtigte Frage. Die Vorteile von FI/LS liegen klar auf der Hand: Besser Zuordnung der Stromkreise und eine höhere Ausfallsicherheit. Nachteil: Der deutlich höhere Preis. Kostet ein typischer RCD 40A/30mA/4-Polig ca. 30A, liegt ein FI/LS mit B16A/30mA teilweise bei 35-40 EUR. Wenn man bedenkt, dass ein 4-Poliger RCD sechs FI/LS ersetzt kommt hier einiges zusammen.

Ich persönlich arbeite weiter mit Gruppen-RCDs. FI/LS setze ich dort ein, wo eine erhöhte Ausfallsicherheit gewünscht oder notwendig ist. Typische Stromkreise, in denen ich FI/LS einsetze:

  • Heizungsanlage
  • Internet/Netzwerk & Co.
  • Kühl-/Gefriergeräte
  • Flur, Treppenhaus & Technikraum in dem der Zählerschrank hängt

Damit sind wichtige Bereiche auch beim Auslösen eines Gruppen-RCD noch weiterhin mit Strom versorgt. Nur ein Fehler im betroffenen Stromkreise selbst führt zum Ausfall von Internet, Kühlgeräten oder der Heizungsanlage.


❓ Kann ich einen RCD / FI-Schalter im Altbau nachrüsten?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Dazu muss man die Anlage genau prüfen und nach dem Ist-Zustand der Anlage entscheiden. Grundsätzlich ist die Nachrüstung eines RCDs möglich und sinnvoll. Jedoch nur in Anlagen, die bereits 3-Adrig (L/N/PE) ausgeführt sind, also über einen eigenen Schutzleiter anstelle eines PENs verfügen.

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