Du willst ein Haus bauen, eine Wohnung renovieren oder einfach nur ein paar kleinere Arbeiten Zuhause selbst ausführen? Dann wirst du dir früher oder spätere die gleiche Frage stellen, wie viele andere Heimwerker auch:
Darf ich die Elektroinstallation eigentlich selbst ausführen?
Das Internet ist voll mit Anleitungen, Videos und Do-it-your-Self Ratgebern zum Thema Elektroinstallation. Allen gemeinsam ist, dass man die unterschiedlichsten Antworten auf die Frage findet, was darf ich eigentlich selbst durchführen und was nicht. Während die einen der Meinung sind, jeder dürfe in seinem eigenen Haus sämtliche Elektroinstallationen selbst ausführen. Sind Andere der Meinung, dass bereits das Verlegen von Kabeln und Leitungen verboten wäre.
Die Wahrheit liegt – wie so oft – dazwischen.
Tatsächlich darfst auch du als elektrotechnischer Laie einige vorbereitende Arbeiten selbst ausführen. Viele Tätigkeiten sind jedoch ausschließlich Elektrofachkräften vorbehalten. Wer aber seine Grenzen und den rechtlichen Rahmen kennt, der kann beim Hausbau oder der Altbausanierung einiges an Geld sparen.
In diesem Artikel erfährst du ausführlich,
- welche Elektroarbeiten du selbst durchführen darfst,
- welche Arbeiten ausschließlich Elektrofachkräfte übernehmen dürfen,
- welche gesetzlichen Vorschriften du beachten musst,
- welche Risiken bei unsachgemäßer Ausführung bestehen und
- wie du Eigenleistungen sinnvoll mit einem Elektrofachbetrieb kombinierst.
Warum gibt es überhaupt Einschränkungen?
Elektrischer Strom ist lebensgefährlich! Bereits Berührungsspannungen von 50 Volt Wechselspannung könnten einen lebensgefährlichen Stromschlag zur Folge haben. Hinzu kommen Brandgefahren durch unsachgemäße Installation, lose Klemmen oder falsch dimensionierte Leitungen.
Nach Angaben des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) entstehen jedes Jahr zahlreiche Gebäudebrände durch elektrische Ursachen. Mittlerweile ist bei 33% aller Wohnungsbrände in Deutschland Elektrizität die Brandursache. Zu diesen elektrischen Brandursachen zählen unter anderem:
- lose Klemmstellen
- beschädigte Leitungen
- Überlastungen
- Isolationsfehler
- unsachgemäß installierte Betriebsmittel
Aufgrund der Gefahren, die elektrischer Strom mit sich bringt, gibt es in Deutschland zahlreiche Vorschriften und technische Regeln, die festlegen wie elektrische Installationen auszuführen sind. Aufgabe einer Elektrofachkraft ist es, diese Normen zu kennen sowie Gefahren erkennen und beurteilen zu können. Das können elektrotechnische Laien meist nicht. Diese Vorschriften dienen nicht dazu Heimwerker zu benachteiligen, sie sollen Sachwerte und Menschenleben schützen.
Welche Vorschriften gibt es?
In der Elektroinstallation spielen verschiedene Regelwerke eine Rolle
1. Niederspannungsanschlussverordnung (NAV)
Die wichtigste gesetzliche Grundlage ist die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV). Insbesondere §13 ist hier von bedeutung – dort heißt es:
Die Arbeiten dürfen außer durch den Netzbetreiber nur durch ein in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragenes Installationsunternehmen durchgeführt werden
Quelle: Verordnung über Allgemeine Bedingungen für den Netzanschluss und dessen Nutzung für die Elektrizitätsversorgung in Niederspannung (Niederspannungsanschlussverordnung – NAV) § 13 Elektrische Anlage
In diesem Absatz des §13 Niederspannungsanschlussvserordnung heißt ist festgelegt, dass Arbeiten an elektrischen Anlagen die an das Niederspannungsnetz angeschlossen sind ausschließlich Betriebe arbeiten dürfen, die in das Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragen sind. Eine Ausnahme gibt es für Instandhaltungsarbeiten hinter der Zählereinrichtung. Dazu zählen aber reine Instandhaltungsarbeiten wie der 1:1 tausch von Bauteilen, Leuchtmitteln und ähnliches.
2. DIN-VDE Vorschriften
Elektrische Installationen müssen sowohl nach §13 NAV als auch nach §49 EnWG nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik errichtet werden. Nach §49 EnWG wird die Einhaltung der anerkannten Regeln der Technik angenommen, wenn die DIN-VDE-Vorschriften eingehalten werden. Die VDE-Normen sind wohl die bekanntesten und umfangreichsten Normen im Bereich der Elektroinstallation. Besondere Bedeutung haben in diesem Fall die Normen der Reihe VDE-0100:
| Norm | Inhalt |
|---|
| DIN VDE 0100-410 | Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag |
| DIN VDE 0100-430 | Schutzmaßnahmen – Schutz bei Überstrom |
| DIN VDE 0100-520 | Auswahl und Verlegung von Leitungen |
| DIN VDE 0100-600 | Erstprüfung elektrischer Anlagen |
Diese Normen legen zum Beispiel fest
- Welche Kabel und Leitungen ausgewählt und dimensioniert werden müssen
- Wie diese verlegt werden dürfen
- Welche Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag anzuwenden sind
- Wie Betriebsmittel auszuwählen sind
- Wie Anlagen geprüft werden müssen
3. Die Elektrofachkraft nach DIN VDE 1000-10 und 0105-100
Wichtig ist ebenfalls die Definition der Elektrofachkraft. Nur diese darf elektrische Installationen eigenverantwortlich ausführen. Die Elektrofachkraft ist nachfolgend definiert:
Elektrofachkraft ist, wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der einschlägigen Normen die ihr übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.
Wichtig ist also neben der fachlichen Ausbildung vorallem auch die Erfahrung um Gefahren beurteilen und erkennen zu können. Das unterscheidet die Elektrofachkraft von einem elektrotechnischen Laien. Mehr dazu erfährst du im Artikel Wer ist eine Elektrofachkraft?
Warum ist Eigenleistung in der Elektroinstallation trotzdem oft möglich?
Auch wenn elektrotechnische Installationen Elektrofachkräften vorbehalten sind, kann man viele Arbeiten in Eigenleistung durchführen. Auch Elektrobetriebe arbeiten hier häufig eng mit ihren Bauherren zusammen und ermöglichen Arbeiten in Eigenleistung. Zu den typischen Arbeiten, die man in Eigenleistung ausführen kann gehören:
- Schlitze stemmen
- Unterputzdosen fräsen und setzen / eingipsen
- Leerrohre verlegen und befestigen
- Leitungen verlegen oder in Rohre einziehen
- Aufputzgehäuse montieren und vorbereiten
Übernimmt der Bauherr diese Arbeiten selbst, reduziert sich natürlich der Arbeitsaufwand des Elektrofachbetriebes teils erheblich. Dadurch lassen sich – je nach Umfang des Projektes und der Eigenleistung – mehrere Tausend Euro einsparen.
Wichtig ist jedoch, dass diese Eigenleistungen vorher mit dem ausführenden Elektrofachbetrieb abgesprochen werden. So kann sichergestellt werden, dass sämtliche Arbeiten normgerecht und nach dem Plan des Elektrofachbetriebes erfolgen und später keine aufwendigen Nachbesserungen erforderlich werden.