Muss eine Hutschiene bei der Verwendung von Reihenklemmen in einem Schutzklasse-II Verteiler isoliert ausgeführt werden? Immer wieder sorgt diese Frage unter Fachkollegen für Diskussionen. Muss eine geerdete Hutschiene gegen das Gehäuse isoliert werden oder nicht?
Schutzklasse der Verteiler entscheidend
Entscheidend bei der Beantwortung dieser Frage ist die Schutzklasse. Bei Verteilern* der Schutzklasse-I ist sowieso ein Schutzleiteranschluss am Gehäuse vorhanden. Daher stellt sich die Frage ausschließlich bei Verteilern und Gehäusen der Schutzklasse-II (Schutzisoliert). Hierfür macht die VDE an verschiedenen Stellen sehr klare Vorgaben.
- Spezialwerkzeug zum Entriegeln von Kontaktfedern bei elektrotechnischen Leitungsklemmen
- Aufgrund der gebogenen Geometrie können auch Reihenklemmen betätigt werden, die man mit einem normalen Schraubendreher nicht erreicht
So ist in DIN VDE 0100-410 Abschnitt 412.2.2 festgelegt, dass leitfähige Teile innerhalb der isolierenden Umhüllung nicht an einem Schutzleiter angeschlossen sein dürfen Es gibt jedoch eine Ausnahme: Es dürfen Anschlussmöglichkeiten für Schutzleiter vorgesehen werden, wenn sie für andere Betriebsmittel benötigt werden, deren Versorgungsstromkreis ebenfalls durch die Umhüllung geführt ist. Innerhalb der Umhüllung müssen alle diese Leiter und ihre Anschlussklemmen wie aktive Teile isoliert sein, und ihre Anschlussklemmen müssen als Schutzleiterklemmen gekennzeichnet sein.
Daraus lässt sich schlussfolgern, dass eine Hutschiene, die als Schutzleiterschiene verwendet wird isoliert gegen den Verteiler auszuführen ist.
Weitere Festlegungen in VDE 0660-600
Die VDE 0660-600 ist Grundlage für Verteiler, zu denen auch Laien Zugang haben. Die DIN EN IEC 61439-3 (VDE 0660-600-3) sowie die dazugehörige DIN EN IEC 61439-1 (VDE 0660-600-1) sagt dazu folgendes:
„Innerhalb des Gehäuses oder geschützten Raumes der Schaltgerätekombination in Schutzklasse II müssen der Schutzleiter (PE, PEN-Leiter) und seine Anschlüsse von aktiven Teilen und von Körpern isoliert werden. Körper innerhalb der Schaltgerätekombination dürfen nicht mit dem Schutzleiterkreis verbunden werden. Das gilt auch für eingebaute Betriebsmittel, auch wenn sie einen Schutzleiteranschluss haben.“
Auch in der Norm für Stromkreisverteiler in Wohngebäuden (VDE 0606-24) macht hierzu identische Vorgaben. So ist dort folgendes festgelegt:
„Schutzisolierte Gehäuse, wenn sie wie im bestimmungsgemäßen Gebrauch montiert und installiert sind, dürfen keine leitfähigen Teile haben, wie beispielsweise Montageplatten, Abdeckplatten oder Einbaurahmen, die an die Schutzleiterverbindung angeschlossen sind.“
Fazit: Hutschienen für Schutzleiter isoliert auszuführen
Abschließend lässt sich festhalten, dass Hutschienen, die als Schutzleiter genutzt werden in Schutzklasse-II Verteilern immer isoliert auszuführen sind. Entsprechende Isolierstücke gibt es passend zu den jeweiligen Hutschienen oder Stromkreisverteilern. Leider wird das häufig weder in der Ausbildung gelehrt. Auch sieht man es in der Praxis sehr häufig falsch ausgeführt.
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