Kinder sind neugierig und lieben es, die Welt um sie herum mit allen Sinnen zu erkunden. Dabei lauern im Alltag viele Gefahren, die schnell gefährlich werden können. Eine der größten Gefahren in unseren Wohnungen stellt dabei Elektrizität dar. Die offenen Kontakte einer Steckdose laden förmlich zum einführen von Gegenständen ein, herumliegende Ladekabel laden dazu ein sie in den Mund zu nehmen und elektrische Geräte können aufregend sein und zum Spielen einladen. Doch hier lauern viele Gefahren, die Kinder nur schwer erkennen können. Um eine dieser Gefahren zu minimieren, haben viele Hersteller Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz im Programm. Diese wurden lange als „Kinderschutz-Steckdosen“ bezeichnet. Warum diese Bezeichnung problematisch war erfährst du in diesem Artikel.
Was sind Kinderschutz Steckdosen eigentlich?
Die umgangssprachliche Bezeichnung „Kinderschutz-Steckdosen“ ist technisch nicht korrekt und mittlerweile höchst problematisch. Die offizielle Bezeichnung der sogenannten Kinderschutz-Steckdosen lautet „Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz“, „Steckdosen nach DIN VDE 0620“ oder auch „Steckdose mit Shutter“. Der Begriff „Shutter“ stammt aus der Fotografie, wo er den Verschluss einer Kamera bezeichnet. In der Elektrotechnik wird damit der mechanische Verschluss der beiden Steckkontakte einer Steckdose bezeichnet. Der sogenannte „Shutter“ ist Teil der Steckdosenabdeckungen. Er besteht aus einem drehbaren Flügelplättchen, welches in der Ausgangsstellung die beiden Kontakte verdeckt und die Steckdose verschließt. Der „Shutter“ verschließt so lange die beiden Löcher der Steckdose, bis der für den bestimmungsmäßigen Gebrauch vorgesehene Stecker eingeführt wird. Neben dem passenden Stecker muss beim Einstecken auf beide Kontakte ein gleichmäßiger Druck ausgeübt werden, damit sich der „Shutter“ öffnen lässt. Auf diese Weise gewährleistet er einen erhöhten Berührungsschutz und verringert das Risiko, dass Menschen mit spannungsführenden Teilen in Berührung kommen. Vereinfacht gesagt: Es lässt sich nichts in die Steckdose einführen, wenn nicht in beide Öffnungen gleichzeitig mit dem nötigen Druck ein Stecker eingeführt wird.
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Warum die Bezeichnung „Kinderschutz“ nicht mehr zulässig ist
Tödlicher Unfall trotz Kinderschutz Steckdosen
Bis ins Jahr 2018 war es üblich, dass Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz bzw. nach DIN VDE 0620 als kindersicher beworben und verkauft wurden. Aus diesem Grund sind diese auch in vielen Kindertagesstätten Standard in der Elektroinstallation. Im Jahr 2018 kam es jedoch in einer Kindertagesstätte in Frankfurt zu einem schweren Stromunfall, bei dem ein kleines Kind tödlich verunglückte. Auch dort waren Steckdosen mit Shutter nach VDE 0620 verbaut, die bis zu diesem Zeitpunkt als kindersicher beworben wurden. Das Kind hatte beim Spielen eine Art Pfeifenreiniger zum Basteln benutzt, und diesen in eines der Löcher einer Steckdose eingeführt. Das Kind erlitt dabei einen tödlichen Stromschlag.
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Begriff „kindersicher“ als irreführend eingestuft
Nach diesem tragischen Unfall wurde vonseiten der Behörden, aber auch der VDE der Begriff „kindersicher“ in Bezug auf Steckdosen mit erhöhtem Berührugnsschutz als irreführend und unzulässig eingestuft. Steckdosen mit Shutter und erhöhtem Berührungsschutz dürfen seither nicht mehr als kindersicher angeboten werden. Produkte die trotzdem als kindersicher beworben werden verlieren ihre VDE-Zulassung. Einige Hersteller weisen sogar explizit auf die Strafbarkeit und mögliche Schadenersatzansprüche bei Verwendung der Bezeichnung „kindersicher“ hin.
👉 Siehe dazu auch: Hinweise des Herstellers Gira zum Thema
Was heißt das für den Umgang mit Steckdosen und Kindern?
Auch wenn Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz nicht mehr als kindersicher zu bezeichnen sind, bieten sie dennoch einen wie der Name schon sagt, erhöhten Berührungsschutz. Es macht also weiterhin Sinn Steckdosen mit Shutter einzusetzen um die Sicherheit in einem gewissen Maße zu erhöhen. Wichtig ist jedoch sich bewusst zu sein, dass auch Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz keinen hundertprozentigen Schutz bieten.
Steckdosen mit Shutter können eine zusätzliche Maßnahme sein, die Elektroinstallation sicherer zu gestalten. Eine Steckdose mit erhöhtem Berührungsschutz macht es durchaus schwerer, unsachgemäß etwas in eine Steckdose einzuführen. Es ist jedoch auch für ein Kind nicht unmöglich trotzdem Gegenstände einzuführen. Es sollten daher in jedem Fall auch weitere Maßnahmen zum Schutz Ihrer Kinder umgesetzt werden.
Welche Alternativen zu Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz gibt es?
Nachdem Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz keinen hundertprozentigen Schutz bieten – Wie macht man seine Elektroinstallation dennnoch kindersicher? Ich würde in diesem Zusammenhang nicht von Alternativen sprechen. Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz haben auch weiterhin ihre Daseinsberechtigung. Man sollte diese jedoch nur als einen Baustein in einem Gesamtpaket betrachten.
Wer seine Steckdosen trotzdem noch besser schützen will, hat eigentlich nur folgende Optionen:
- Abschließbare Steckdosen: Damit bekommt jede Steckdose einen Deckel mit Schlüssel, ohne Schlüssel kann die Steckdose nicht genutzt werden.
- Steckdosen Schaltbar machen: Durch das Abschalten der Sicherung könnte man einen Stromkreis abschalten. Das ist in der Praxis eher untauglich. Eine weitere Möglichkeit ist es die Steckdose per Smart Home schaltbar zu machen. Siehe dazu auch meinen Artikel: 👉 Kindersichere Elektroinstallation durch Smart Home – mehr Sicherheit für Familien
So machst du dein Zuhause kindersicher
Neben dem Thema Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz, gibt es noch einige andere Punkte, die man beachten sollte um sein Zuhause kindersicher zu gestalten.
Fehlerstromschutzschalter (RCD) als zusätzlicher Schutz
Ein RCD (Fehlerstromschutzschalter) sollte heute Standard in jeder Elektroinstallation sein. Er stellt einen zusätzlichen Schutz dar, indem er bei einem Fehlerstrom oder einem Stromschlag die Stromversorgung sofort unterbricht. Der Einbau in der Unterverteilung ist meist kein großer Aufwand, jedoch nur bei Eigentum möglich. Alternativ gibt es Zwischenstecker mit Fehlerstromschutzschalter.
Kabelverlegung und offene Mehrfachstecker
Kabel sollten möglichst versteckt hinter Möbeln, Fußleisten oder Teppichen verlegt werden. So werden gefährliche Stolperfallen vermieden. Auch verhindert es, dass Kinder das Kabel als Spielzeug entdecken und daran ziehen, kauen oder mit Hilfsmitteln daran handtieren. Nutze keine offenen Mehrfachsteckdosenleisten. Ich würde immer darauf achten, dass keine Mehrfachsteckdosenleisten mit offenen Steckplätzen frei zugänglich sind. Diese sollten hinter Möbeln versteckt werden oder nur einzelne Verlängerungsleitungen genutzt werden.
Vorsicht bei Elektrogeräten
Kinder lieben es alles neue zu entdecken. Insbesondere Elektrogeräte können dabei sehr spannend sein und geradezu dazu einladen sie genau unter die Lupe zu nehmen. Sei es der Staubsauger, Föhn, die Klimaanlage oder der Heizlüfter. Elektrische Geräte können Kinder magisch anziehen. Lasse daher niemals Kinder in dr Nähe elektrische Geräte unbeaufsichtigt. Ein umgeworfener Heizlüfter kann schnell zum Brand oder auch schweren Verbrennungen führen. Ein Staubsauger kann schnell zu Verletzungen von Augen und Gesicht führen.
Rauchmelder retten Leben
Auch wenn heute in allen 16 Bundesländern Rauchwarnmelder vorgeschrieben sind, kann man es nicht oft genug betonen. Installiere in jedem Aufenthaltsraum, Wohn- und Schlafräumen sowie Rettungswegen/Fluren mindestens einen Rauchmelder. Ein Brand kann innerhalb von 90 Sekunden von Entzündung zu einem unlöschbaren Feuer heranwachsen. Dabei muss nicht einmal offenes Feuer im Spiel sein. Auch Elektrogeräte, Heizlüfter oder sogar akkubetriebenes Kinderspielzeug kann schnell Feuer fangen. Insbesondere bei ungeprüften Kinderspielzeugen aus Fernost ist Vorsicht geboten.
Fazit: Erhöhter Berührungsschutz als Baustein eines kindersicheren Zuhauses
Zusammenfassend lässt sich sagen: Auch wenn Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz / Shutter nicht mehr als kindersicher beworben werden dürfen, stellen sie eine sinnvolle Ergänzung dar. Sie sind kein Wundermittel und kein hundertprozentiger Schutz. Ich würde jedoch immer auf Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz setzen. Alternativ lassen sich auch andere Maßnahmen ergreifen um die Steckdose besser zu schützen.
Neben dem reinen Schutz der Steckdosen ist es wichtig, sein gesamtes Zuhause im Blick zu haben. Gefahren für Kinder lauern an vielen Stellen und insbesondere in der Elektrizität. Herumliegende Kabel, Merhfachsteckdosen, Batterien, elektrische Geräte wie Heizlüfter, Backofen oder Staubsauger.
Siehe dir auch meine anderen Artikel zum Thema kindersichere Elektroinstallation an:
- 👉 Kindersichere Elektroinstallation durch Smart Home – mehr Sicherheit für Familien
- 👉 Kindersichere Elektroinstallation: Risiken minimieren
- 👉 Rauchmelder austauschen nach 10 Jahren
Weiterführende Informationen
- VDE: Kinder und Elektrizität
- Gira: Steckdose mit erhöhtem Berührungsschutz
- Gira: Warnung Steckdosenbezeichnung
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FAQ: Kinderschutz und Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz
Sind Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz kindersicher?
Nein! Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz dürfen nicht als kindersicher beworben werden. Sie stellen einen zusätzlichen Schutz dar, sind aber kein verlässlicher und hundertprozentiger kinderschutz. Auf diese Bezeichnung solltest du verzichten.
Lohnt sich der Einbau von Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz?
Ja! Der Einbau von Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz lohnt sich fast immer. Sie stellen einen zusätzlichen Schutz dar und haben ansonsten keine Nachteile. Lediglich das Einstecken von Steckern ist manchmal etwas kraftaufwändiger.
Wie sinnvoll sind nachträglich einklebbare Kinderschutz-Adapter für Steckdosen?
Ich persönlich halte von diesem Kinderschutz zum Einkleben in Steckdosen nichts. Dabei muss der Stecker erst mit beiden kontakten gedreht werden, um die Öffnungen der Steckdose freizugeben. Jedoch ist dieser Mechanismus sehr Fehleranfällig. Man kann sehr leicht mit einem Gegenstand die Kontakte freilegen. Auch ist der Kleber häufig nicht von Dauer und die Plastikteile lösen sich.
Das größere Problem ist aber die Brandgefahr. Durch das eingeklebte Plättchen in die Steckdose, verringert sich die Eindringtiefe des Steckers und damit der Kontakt. Das kann zu höheren Übergangswiderständen und zur Überhitzung führen. Ich würde daher eher auf Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz setzen.
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